Ja und nein. Baumwolle ist weder per se gut für die Haut noch automatisch schlecht für die Umwelt. Da wohl kein Haushalt ohne Baumwolle auskommt, habe ich mir dazu ein paar Gedanken gemacht.

Baumwolle ist Teil unseres Lebens

Baumwolle ist eine der ältesten bekannten Kulturpflanzen. Die herrlich atmungsaktiven Naturfasern der an Sträuchern wachsenden Baumwolle gelangten Anfang des 19. Jahrhunderts über Amerika nach Europa. Im Handumdrehen eroberten die flauschigen Naturfasern die Textilindustrie und seither ist Baumwolle aus keinem Haushalt mehr wegzudenken: als Kleidung, in Bettdecken, Vorhängen und Geschirrtüchern.

Wir lieben Baumwollstoffe, denn sie lassen sich gut reinigen und überdauern bei guter Pflege mehrere Generationen. Schlecht kann also nicht sein, was Mutter Natur uns mit der Baumwollpflanze geschenkt hat. Da erstaunt es doch so manchen, dass Hautausschläge von Dermatologen und Heilpraktikern schon mal auf die neu gekaufte Baumwoll-Unterwäsche oder die schicke neue Jeans zurückgeführt werden. Umweltaktivisten wiederum verteufeln den Baumwollanbau aufgrund des hohen Wasserverbrauchs.

Eines nach dem anderen …

Ist (Bio)-Baumwolle gut für die Haut?

Kontaktallergien, Formen von Dermatitis sowie Hautirritationen verschiedenster Art nehmen immer mehr zu. Neben genetischen Gründen und ungesunder Ernährung wird die Ursache häufig in der Kleidung gesucht, die direkten Kontakt mit der Haut hat. Bei synthetischen Fasern ist dies nachvollziehbar, schließlich sind diese oftmals nicht sehr atmungsaktiv und fühlen sich rein haptisch gesehen bereits künstlich und unangenehm an.

Aber auch Baumwolle kann Schuld an einer Kontaktallergie sein; nämlich genau dann, wenn eingesetzte Chemie während dem Anbau und/oder der Weiterverarbeitung das zerstört, was Baumwolle so einzigartig macht: ihre natürliche Atmungsaktivität.

Durch Insektizide, Pestizide und chemische Ausrüstungen verschließen sich die kuscheligen Fasern und die Atmungsaktivität der daraus gewebten Stoffe geht verloren. Die Haut kann also nicht mehr richtig atmen! Hinzu kommt, dass bei mechanischer Ernte und wenig unsachgemäßer Weiterverarbeitung Fasern brechen. Dies wiederum macht sich im Tragegefühl und in der Haltbarkeit der Stoffe bemerkbar. Umso kürzer die Fasern, desto rauer fühlen sie sich an und desto weniger Nutzung halten sie stand.

Empfindliche Haut reagiert sehr schnell auf die chemischen Bestandteile, die sich erst nach mehreren Waschgängen aus den Stoffen lösen (leider gelangen diese dann über unser Abwassersystem in den Kreislauf). Zuvor gelangen die toxischen Substanzen – inbesondere bei den Kleinsten – über die Haut in den menschlichen Organismus und können dort erheblichen Schaden anrichten.

Wer seiner Haut also Gutes tun möchte, der greift von Anfang an zu Biobaumwolle. Beim Anbau von Bio Baumwolle werden Schädlinge natürlich bekämpft. Und bei der Faser-schonenden Weiterverarbeitung wird versucht, die natürliche Weichheit und Atmungsaktivität der Baumwolle zu bewahren. Dies ist spürbar, bei neuen und gebrauchten Textilien!

Baumwoll ist gut für die Haut_Baumwolle ist schlecht für die Umwelt (3)

Aber was ist mit dem Wasser? Wasser geht nie aus, das dachten wir einst. Jetzt wissen wir, Wasser ist ein knappes Gut, das schützenswert ist. Und der konventionelle Baumwollanbau erfordert Unmengen an Wasser.

Ist (Bio-)Baumwolle schlecht für die Umwelt?

Nichts was die Natur ohne menschliches Zutun geschaffen hat ist schlecht für die Umwelt. Schlecht hingegen ist das, was von Menschenhand geschaffen bzw. verändert wurde, auf Kosten der Natur!

Konventionelle Baumwolle ist effizienter als Bio-Baumwolle und auf Effizienzsteigerung ist unser Markt nun einmal ausgerichtet. Natürlichen Schädlingen wird eines mit der Chemiekeule verpasst und schon kann die Baumwollpflanze ungestört weiterwachsen. Kurze, wenig hautschmeichelnde Baumwolle wird mit chemischen Weichmachern durchsetzt und schon fühlt sie sich geschmeidig und gut an. Durch den gezielten Einsatz von Chemie können weitaus größere Mengen an Baumwolle geerntet und auf den Markt gebracht werden. Fühlen sich die Stoffe weich an und beeindrucken sie durch brillante Farben können auf dem Markt höhere Preise erzielt werden oder schlichtweg größere Mengen abgesetzt werden.

Wem dies alles aber so gar nicht gefällt ist unsere Umwelt. Durch den enormen Einsatz von Pestiziden und Insektiziden wird das natürliche Gleichgewicht der Böden komplett durcheinandergebracht. Das ist ganz ähnlich wie bei unserer Haut oder unserem Haar. Wenn wir viel Chemie, die in Kosmetika enthalten ist, verwenden, trocknen Haut und Haar aus, der natürliche Schutzfilter wird zerstört und die Haut ist bald nicht mehr in der Lage, sich selbst zu regenerieren. Periorale Dermatitis oder ähnliche Hautkrankheiten können die Folge sein.

Auch die Erde wird krank und spröde. Die darin vorhandenen Lebewesen und Pflanzen finden keine Nährstoffe und bald kein Wasser mehr. Die Konsequenz: wir brauchen mehr Chemie, um den Pflanzen Kraft zu geben, v.a. aber mehr Wasser. Die Erde hat Durst, unendlich viel Durst. Und genau daher kommt das Vorurteil, dass Baumwolle zu viel Wasser konsumiert.

Baumwolle ist gut für die Haut_Baumwolle ist schlecht für die Umwelt

Bio Baumwolle braucht 91% weniger Wasser als konventionelle Baumwolle. Wird die Baumwolle dann noch auf einem Landstrich angebaut, der ihr optimale klimatische Bedingungen bietet, braucht es nicht viel mehr als Regen bzw. eine wassersparende Furchen- oder Tröpfchenbewässerung. Die Böden sind fruchtbar und die Pflanze findet die Nährstoffe, die es braucht. Leider liegt der Anteil von biologisch angebauter Baumwolle aktuell nur bei ca. 1% der gesamten Baumwollproduktion.

Baumwoll ist gut für die Haut_Baumwolle ist schlecht für die Umwelt (2)

Um nochmals zurück zur Eingangsfrage zu kommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass nichts per se schlecht sein kann, was Mutter Natur geschaffen hat, solange wir nicht anfangen, Naturgegebenes verbessern und optimieren zu wollen. Mutter Natur wird sich schon etwas dabei gedacht haben ;).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.