Meine erste Fernreise mit einer Gluten- und Milchintoleranz führt mich nach Peru. Als wäre es nicht schon Herausforderung genug im Andenstaat fleischlos zu leben! Aber nein, keine Sorge. Auch ohne Gluten und Milch lässt es gut und einfach leben. Gewusst wie!

Reifes Obst und Gemüse allein würde fast schon genügen

In jedem Land – so wage ich zu behaupten – finden sich all jene Nährstoffe, die der menschliche Körper benötigt. Je weiter südlich vom Äquator das Reiseziel liegt, desto einfacher wird es, an diese Nährstoffe zu gelangen. Reist man beispielsweise nach Peru, ließe es sich theoretisch sogar als reiner Frutarier ganz gut leben. Denn was diese Länder mit vielen anderen Ländern gemein haben, sind reife und damit sehr nährstoffreiche sowie gut verdauliche Früchte. Diese Früchte gibt es zudem in allen Farben, sodass damit ein Großteil der empfohlenen Ernährungsampel gedeckt werden kann.

Aber gut, ich bin ja keine Frutarierin. Und doch zähle ich zu einer Gruppe, die sich ein wenig Gedanken machen muss, bevor sie verreist: 100% vegetarisch, 80% gluten- und milchfrei. Es reicht also nicht, einfach einmal in den Flieger zu steigen, um sich wochenlang mit ein wenig Kleingeld von Imbissbude zu Imbissbude durchzuschlagen. In vielen Ländern beherrscht das Klebereiweiß Gluten die Küche. Milch und deren Abkömmlinge regieren die Supermarktregale und in vielen Kulturen ist ein vollwertiges Mittagessen ohne Fleisch kaum vorstellbar.

Der einfachste Weg: Selbstverpflegung

Gluten--und-Milchfrei-auf-Reisen_Peru

Es ist einfach herrlich, wenn man einmal eine Zeit lang nicht selbst zu kochen braucht. All Inclusive-Reisen haben einen ganz besonderen Charme, das möchte ich gar nicht abstreiten. Ist dabei jedoch nicht die Möglichkeit gegeben, nach den eigenen Vorstellungen bzw. Notwendigkeiten (z.B. bei Allergien und Unverträglichkeiten) zu schlemmen, kann ein All-Inclusive-Reise schnell anstrengend und unbefriedigend werden.

Selbstverpflegung ist hier sicherlich nicht der einfachste, aber ganz bestimmt ein spannender, vielleicht sogar entspannender Weg. Ihr geht auf den lokalen Markt, kommt in Austausch mit der Bevölkerung, probiert euch durch das oftmals reichhaltige Angebot an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten und esst genau dann, wenn euch danach ist. Wieviel Zeit ihr in eure Reiseküche investieren wollt, bleibt euch überlassen. Zum Frühstück ein bunter Obstsalat oder ein leckeres Amaranth-Chia-Müsli mit Quinoa-, Reis- oder Sojamilch (je nachdem, was es gibt), mittags ein frischer Quinoa-Mango Salat mit Avocado als Topping, abends Choclo (Andenmais) mit Salz. Einem Omega 3 Mangel beugt ihr ganz einfach mit gutem, nativen Leinöl oder ähnlich reichhaltigen Ölen (in Peru nutze ich Sacha Inchi) vor. Für zwischendurch mixt ihr euch einen leckeren Smoothie oder besucht einen der lokalen Saftläden.

Für mich bedeutete unsere diesjährige Perureise ganz klar eine Umstellung. Von meinen Unverträglichkeiten weiß ich erst seit einem guten halben Jahr. Zuvor gab es kein Restaurant, in dem ich nichts zu essen fand. Gut, manchmal war etwas Überzeugungskunst notwendig, um den Koch dazu zu bewegen, eine fleischfreie Kost zuzubereiten, aber letzten Endes wurde ich stets satt, irgendwie. Peru ist bekannt für seine fantastische Küche und ich genoss es, Teil davon zu sein.

Als es dann auf einmal hieß, ich solle maximal 2 Mal die Woche gluten- und –milchhaltige Lebensmittel zu mir nehmen, musste ich sofort an die geplante Perureise denken. Als wäre Reisen mit Kinder nicht bereits anstrengend genug, jetzt sollte ich auch noch eine Ernährungsumstellung mit ins Gepäck nehmen. Was mich zunächst erschaudern ließ, nehme ich heute dankend an. Aktuell entdecken wir gemeinsam als Familie die kulinarischen Reichtümer des Andenstaates. Über 400 Kartoffelarten sind hier heimisch. Früchte und Gemüse, die einem auf der Zungen zergehen und die um so viel besser schmecken als Zuhause.

Wenn mir vor einem Jahr jemand prophezeit hätte, dass ich irgendwann einmal die Freude am Kochen entdecken würde, ich hätte wohl darüber geschmunzelt. Nun weiß ich, dass es nichts Schöneres gibt, als aus den kulinarischen Reichtümern eines Landes die wertvollsten Nährstoffe für mich und meine Familie auf den Teller zu bringen. Ja, und Peru hat weitaus mehr naturgegebene Schätze zu bieten, als unsere seidenweiche Pima Baumwolle.

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