Wie jedes Jahr um diese Zeit sitzen wir an unserer Planung für das bevorstehende Jahr. Wie viele Kuscheltiere in Auftrag geben, welche Kleidung entwickeln, welche Kooperationen eingehen …

Ein Herzensprojekt | Faire Kuscheltiere aus den peruanischen Bergen

Seit rund 5 Jahren schon stricken talentierte Mütter in den peruanischen Bergen Kuscheltiere für Mama Ocllo. Angefangen haben wir ganz klein mit unseren Fingerpuppen. Ihr kennt sie ja, unsere niedliche Inka Königin. Mittlerweile ist unser Sortiment auf insgesamt 16 verschiedene Stricktiere angestiegen, darunter kuschelige Meerestiere (Wal Pepe, Tintenfisch Tino, Krebs Pablo), klassische Wald- und Wiesenbewohner (Fuchs Diego, unsere Hasenpaar, Schaf Nelly und Schafbock Memo) und Regenwaldbewohner (Affe Gonzalo, Jaguar Renzo).

Und ganz neu in unseren Shop eingezogen sind Einhorn Luna und Pferd Stormy. Mit Luna wagten wir unseren ersten Schritt in Richtung Fantasie. Die magischen Momente, in denen aus einem Entwurf ein kuscheliges Einhorn wollten wir für uns, aber auch für euch festhalten.#

Fotos, Erinnerungen und ein Blick hinter die Kulissen

Nicht bei jeder Fertigungsrunde haben wir die Möglichkeit Fotomaterial zu organisieren, um euch die Arbeit der Strickerinnen zu zeigen. Doch dieses Mal setzten wir alle Hebel in Bewegung, um einen talentierten Fotografen zu finden, der die beschwerliche Reise nach Lampa (fast 4000m ü. d. M.)  antreten würde, um die Strickerinnen einen Tag lang bei ihrer Arbeit zu begleiten.

Mama strickt Einhörner für meine Zukunft (3)
„Mama strickt Einhörner für meine Zukunft“

Als uns die Bilder wenige Tage später erreichten wurde es mir ganz warm ums Herz. Es wurden Erinnerungen wach an meine Zeit bei dem peruanischen Exporteur von andinem Getreide, für den ich einige Monate lang als Praktikantin tätig war. Damals durfte ich im Auftrag der Firma in die Anden nach Juliaca reisen, um vor Ort die tagtägliche Arbeit der Quinoa-Bauern kennenzulernen. Ich habe diese Bilder noch heute vor Augen, als wäre es erst gestern gewesen. Ich sprach mit Frauen von Kooperativen, die ihren Quinoa an Einkäufer aus aller Welt verkaufen und ich betrat Lehmhütten, wie sie noch heute Familien auf dem Land ein Zuhause bieten.

Ein wenig schüchtern wirkten die Dorfbewohner, die nicht direkt in das Quinoa Projekt meines Arbeitgebers involviert waren. Umso selbstbewusster traten dafür die Wortführerinnen (Ja, hier verhandeln die Frauen!) der Kooperativen auf. Schnell wurde deutlich, dass man diese Frauen nur schwerlich hinters Licht führen kann. Sie wissen den Preis, den ihr „Inkareis“ wert ist und sie wissen, wie sie diesen auch bekommen.

Ähnlich ist dies auch bei den Strickerinnen der Non-Profit-Organisation Manuela Ramos, unseren Kuscheltier-Produzenten. Die Frauen werden regelmäßig dahingehend geschult, sich selbstständig und selbstbewusst auf dem Markt zu präsentieren. Sie lernen zu verhandeln, ihren Männern die Stirn zu bieten und ihre Produkte auf die Bedürfnisse potentieller Kunden hin zu optimieren. All dies ist deshalb so wichtig, weil sie nur so langfristig höhere Einnahmen erzielen, mit denen sie ihren Kinder eine bessere Zukunft finanzieren können.

Für Manuela Ramos und im weiteren Sinne für Mama Ocllo bedeutet dies zugleich, dass wir schlechte Karten hätten, wollten wir die Preise ihrer Handarbeit drücken. Aber nein, keine Sorge, das wollen wir doch gar nicht! Die Strickerinnen leisten hervorragende Arbeit und liefern erstklassige Qualität. Jedes einzelne Kuscheltier entsteht in mühsamer Detailarbeit, verlangt den Frauen viel Geschick und Zeit ab. Zeit, die geschaffen werden muss neben der Arbeit im Haus und auf der Chacra (kleine Landwirtschaft).

Zeit als beste Investition in die Zukunft

Doch diese Zeit wird gerne in die Kuscheltiere investiert. Warum? Nur wer es sich leisten kann – und die Landwirtschaft reicht oft nicht – kann seinen Kindern eines Tages einen Ausweg aus der Armut bieten. Es gibt eine Schulpflicht in Peru, ja, in diesem Sinne ist der Andenstaat im Vergleich zu vielen anderen Entwicklungsländern fortschrittlich. Doch nicht jede Familie kann es sich nunmal „leisten“, die Kinder auf die Schule zu schicken. Bei der Arbeit in Haus und bei Hof wird jedes Familienmitglied gebraucht und das wenige erwirtschaftete Geld ist oftmals zu „schade“ um es in Stifte und Arbeitsmaterial zu fließen zu lassen (mehr zum Thema findet ihr bei Leni & Paul).

Wie schön also, dass Einhorn Luna, Pferdchen Stormy und Affe Gonzalo ihren Teil dazu beitragen, dass auch einmal über die Befriedigung der Grundbedürfnisse an Essen und Kleidung hinaus in die Zukunft der Kinder investiert werden kann.

„Mama strickt Einhörner für meine Zukunft“, bewusst wird das diesem kleinen Mädchen, das so vertrauensvoll in die Kamera blickt, wohl noch nicht sein, doch früher oder später wird es hoffentlich an jene Zeiten zurückdenken, zu denen der kostbarste Begleiter ihrer Mama die Stricknadel war. Sie wird sich erinnern an die niedlichen Einhörner, die Mama aus kuschelig weicher Biobaumwolle entstehen ließ und die so sehr zum Träumen einluden. Und wer weiß, vielleicht wird es in ein paar Jahren sogar Einhorn Luna zu verdanken sein, dass der Traum von einer besseren Zukunft in greifbare Nähe gerückt ist.

Damit wünsche ich euch allen von Herzen einen besinnlichen Start in die Weihnachtszeit!

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