„Aua, aua“, Baby scheint Schmerzen zu haben. Doch dass es vielleicht nur Durst hat und nach „agua, agua“ (´Wasser` auf Spanisch) verlangt, darauf muss man erst einmal kommen. So ist es meiner peruanischen Freundin passiert, als sie vor vielen Jahren als Au-pair nach Deutschland kam. Da meine Freundin damals sehr viel Zeit mit dem Baby ihrer Gastfamilie verbrachte, lernte dieses schnell die einen oder anderen spanischen Laute und Wörter. „Agua“ zählte dazu, nur dass sich Baby noch mit dem „g“ schwertat. Und so hörte die besorgte Mama immer nur „aua, aua“.

Bilinguale Erziehung – eine Entscheidung der Eltern

Zweisprachige Erziehung, ja oder nein? Diese Frage stellte sich uns erst gar nicht. Von Anfang an war klar, Miguelito würde zweisprachig aufwachsen.

Gründe für eine bilinguale Erziehung gibt es zur Genüge. Das eigene Kind soll die Sprache von Papa UND Mama verstehen oder aber es soll schon früh interkulturell geschult werden, um es in unserer globalisierten Welt später einmal leichter zu haben.

Sprache und emotionale Bindung

Sprachen erlernen wir, um zu verstehen, um uns verständlich machen zu können und dies nicht nur mit Menschen aus unserem eigenen Kulturkreis. Sprachen verbinden Kulturen, Länder und natürlich Menschen.

Unsere Entscheidung, Miguelito bilingual – Deutsch/Spanisch – zu erziehen war in erster Linie eine emotionale. Um eine gute emotionale Bindung mit unserem Baby aufzubauen ist Sprache ein unverzichtbarer Bestandteil. Sprache ist so viel mehr als bloß Wörter. Mimik, Gestik und unsere Umgangsweise mit Anderen, alles wird von der Sprache beeinflusst, mit der wir selbst groß geworden sind. Für gewöhnlich lieben wir unsere eigene Sprache, da sie mit Erinnerungen an unsere eigene Kindheit verbunden ist und ihr bloßer Klang für uns Heimat signalisiert.

Wäre es daher nicht wider die Natur, statt die eigene Muttersprache eine erlernte Sprache zu sprechen und dem Kind somit den Zugang zu einem wichtigen Teil unserer Persönlichkeit zu verwehren?

Die Schattenseite von Zweisprachigkeit

Leider ist Zweisprachigkeit nicht überall gern gesehen. Was in unseren Breitengraden ein großes Plus im Lebenslauf ist, führt anderswo schon einmal zu sozialen und/oder gesellschaftlichen Barrieren.

Peru ist ein Beispiel dafür. Viele Eltern, die in den Anden leben, sehen heute keinen Sinn mehr darin, ihren Babys die einstige Sprache der Inka – das Quechua – beizubringen, auch wenn diese in den Bergen nach wie vor stark verbreitet ist.

Ziel vieler Eltern ist eine akademische Ausbildung ihrer Kinder in der Großstadt Lima. Und dort soll schließlich nicht jeder sofort bemerken, dass man vom Lande kommt. Diskriminierung und Klassengesellschaft bestimmen leider im Andenstaat immer noch den Alltag.

Zweisprachigkeit fördert Babys Entwicklung

Mittlerweile ist erwiesen, dass eine bilinguale Erziehung keinerlei Nachteile für Babys mit sich bringt. Ganz im Gegenteil! Lernt Baby von Anfang an mehrere Sprachen parallel, entwickelt es schon früh ein Gefühl für die Systematik hinter den jeweiligen Sprachen. Dies wiederum erleichtert später das Erlernen weiterer Fremdsprachen.

In den seltensten Fällen kommt es zu der oft befürchteten Sprachverwirrung oder aber zu einer Verzögerung in der Entwicklung. Sicherlich kann es sein, dass Kinder einen Satz aus zwei Sprachen basteln, sich sozusagen mit den erlernten Sprachen spielen, doch wissen sie zumeist sehr gut zu unterscheiden zwischen Sprache A und B.

Wir kennen Familien, in denen die Kinder sogar dreisprachig aufgewachsen sind. Das kommt dann vor, wenn Papa und Mama sich kennengelernt haben, ohne dass einer von beiden die Sprache des anderen beherrschte. Hier wird dann auf eine dritte Sprache ausgewichen, die beide verstehen.

Im Alltag sieht dies dann häufig wie folgt aus. Mama spricht mit den Kindern ihre Muttersprache (bsp. Spanisch), Papa seine Muttersprache (bsp. Deutsch). Kommt die ganze Familie zusammen oder befindet man sich in Gesellschaft wird miteinander eine dritte Sprache (bsp. Englisch) gesprochen.

Alles kein Problem fürs Baby, solange es die jeweiligen Sprachen bestimmten Situationen und/oder Personen zuordnen kann. Und dies gelingt nur, wenn man konsequent in seinem Sprachgebrauch ist.

Konsequenz als Voraussetzung für eine gute Sprachentwicklung

Möchte man sein Baby bilingual erziehen sind gewisse Regeln unerlässlich. Die Eltern als engste Bezugspersonen sind hier besonders wichtig. Es sollte ganz klar geregelt sein, wann und v.a. von wem welche Sprache gesprochen wird.

So wäre es für Miguelito nicht sehr förderlich, wenn ich einmal Deutsch, dann wieder Spanisch mit ihm spräche. Hier gilt auch bei uns eine strikte Rollenverteilung. Untereinander sind wir es gewohnt beide Sprachen zu mischen, sodass ein einziger Satz oftmals beide Sprachen ineinander vereint. Wir selbst sind also nicht sehr konsequent was unseren Sprachgebrauch angeht. Bei unserem Sohn müssen wir es sein, wenn wir wollen, dass er zu differenzieren lernt.

Natürliches Erlernen zweier Sprachen

Das Erlernen einer oder mehrerer Sprachen sollte völlig stressfrei ablaufen. Babys müssen spüren, dass es sich um einen ganz natürlichen vertrauten Sprachgebrauch handelt.

Dabei sollte keinerlei Druck auf den jungen Lerner ausgeübt werden. Jedes Baby/Kleinkind wird ganz von selbst entscheiden, in welcher Sprache seine ersten Worte sein werden, welcher Sprache es zunächst Vorrang gibt.

Häufig sprechen die Kleinen zunächst die Sprache, welche in dem Land, in dem sie aufwachsen gesprochen wird. So kann es sein, dass selbst wenn Papa mit seinem Baby Spanisch spricht, er die ersten Monate oder gar Jahre nur Antworten auf Deutsch erhält.

Dies wiederum bedeutet nicht, dass Baby seinen Papa nicht versteht. Es passt sich lediglich seiner Umgebung an und nutzt die Sprache, von der es ständig umgeben ist. Doch auch hier gilt. Papa muss zumindest die ersten Jahre konsequent bleiben. Antwortet das Kind auf Deutsch spricht Papa auch weiterhin Spanisch mit ihm.

Fazit

Zweisprachig aufzuwachsen ist ein wertvolles Geschenk für Babys Zukunft, das auf diese Weise gleich von Geburt an mit zwei verschiedenen Kulturkreisen vertraut gemacht wird. Voraussetzung für das gute Erlernen verschiedener Sprachen ist eine klare Rollenverteilung und Konsequenz der Eltern. Beobachtet das Baby einen ganz natürlichen Umgang mit verschiedenen Sprachen, wird es schnell eine emotionale Beziehung dazu aufbauen und sein Sprachvermögen kann sich ganz gesund und ohne großartige Verwirrung entwickeln.

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