Baby ablegen, weinen lassen … So viele schlaue Bücher und Menschen gibt es zum Thema Frühe Kindererziehung. Und gute Bücher gibt es tatsächlich, nur was sagt eigentlich mein Bauchgefühl? Wissen wir intuitiv nicht am Besten, was unseren Babys guttut?

Weil ich es so will und nicht anders … was mich die Trotzphase meines Sohnes lehrt

„Weil ich es so will!“ Beinahe täglich höre ich diese Worte von meinem 4-jährigen Sohn Miguel. Miguel weiß für sein Alter sehr genau, was er will und was er nicht will. Und wenn er einmal seinen Willen geäußert hat, lässt er sich nur selten davon abbringen, es sei denn Mama oder Papa haben zwingende Gründe, um mit „Das will ich aber nicht!“ zu kontern.

Seine starke Willensäußerung bringt uns zum Schmunzeln. Zugleich zeigt sie uns immer wieder aufs Neue, wie einfach es doch sein kann, seinen Willen zu äußern, ohne den Zwang zu verspüren, seine Entscheidungen rechtfertigen zu müssen.

Wie ihr euch schon denken könnt, soll es in diesem Blogbeitrag um das „Weil ich es so will“ gehen. Allerdings werde ich nicht über Miguels Wünsche und Abneigungen schreiben, sondern vielmehr über das, was ich als Mama will und was ich nicht will.

Konkret möchte ich das Thema Kindererziehung aufgreifen und damit den Generationenkonflikt zwischen autoritärem Erziehungsstil und den Ansätzen des Attachment Parenting. Da ich keine Expertin auf diesem Gebiet bin, möchte ich euch – solltet ihr mehr darüber erfahren wollen – einen absolut lesenswerten Beitrag auf Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten dazu empfehlen: „Babys ablegen, weinen lassen, allein (ein)schlafen“.

Fernab von aller Theorie soll es im Folgenden um meine Perspektive als Mama gehen und damit um meinen ganz persönlichen Generationenkonflikt.

Babybauch und Bauchgefühl

2017-09 Erziehungsratgeber BauchgefühlZweimal 9 Monate lang wuchs in meinem Bauch ein Baby heran.  Mit jedem Tag baute ich eine engere Verbindung zu dem Ungeborenen, später zu dem Neugeborenen, dann zu meinem Baby und letztlich zu einem heranwachsenden Kleinkind auf. Diese unsichtbare Verbindung, die zwischen Mama und Kind besteht, wurde immer fester, immer intimer, immer liebevoller.

Vor der Geburt meines ersten Babys hatte ich mich gut informiert, hatte einiges gelesen und hatte mir viele gutgemeinte Ratschläge angehört. Vorstellen wie es wirklich sein würde als Mama konnte ich es mir jedoch nicht.

Und dann plötzlich war es soweit, ich durfte mich offiziell Mama nennen. Automatisch veränderte sich etwas in mir selbst, ich lernte mich neu kennen und da war es plötzlich wieder: das Bauchgefühl. Im Trubel der vorangegangen Monate glaubte ich mein Bauchgefühl oftmals verloren, ich hatte mich so sehr von meiner Außenwelt beeinflussen lassen, dass der Verstand meist schneller war als der Bauch.

Ein Blick auf mein Baby, eine Berührung und da war es wieder, dieses vertraute Gefühl, das ohne große Ratgeber einfach weiß, was gut für mich und künftig auch für mein Baby ist. Mein Baby schreit, also nehme ich es auf den Arm.  Mein Baby krümmt sich,  also streichle ich sein Bäuchlein. Mein Baby beginnt sich unruhig im Schlaf zu winden, die nächste Stillmahlzeit steht an. Ganz so einfach ist es natürlich nicht immer, schließlich weiß man oftmals nicht ansatzweise, was dem Baby denn fehlt, warum es weint. Und doch spürt man, was zu tun ist, denn man hört den Hilfeschrei: „Mama, ich brauch dich jetzt!“ Und wenn dies auch bedeuten mag, dass man schlaflose Nächte durchlebt, dass einem der Rücken vom vielen Tragen schmerzt oder man sich seinen Kaffee zum dritten Mal aufwärmen muss, weil eine Verschnaufpause gerade einfach nicht drin ist. Man ist zu all diesen „Opfern“ bereit und schnell merkt man, dass es läuft, irgendwie, aber es läuft und man ist zufrieden.

Die Bauchgefühl-Räuber

Schwierig wird es genau dann, wenn die Konfrontation mit der Außenwelt bevorsteht. Neben der Hebamme wissen nun noch ganz viele andere Menschen um uns herum, war richtig für uns und unser Baby ist. Oma weiß das, die eigene Mutter weiß es, besorgte Freunde und Bekannte wissen es und natürlich weiß es auch das Internet.

„Mein Baby mag nicht Autofahren!“ – „Na, der kleine Mann (3 Monate) wird doch nicht etwa schon ein wenig verwöhnt vom vielen Tragen sein?!“

„Mein Baby schläft nicht alleine ein, wenn ich es auf die Couch oder in sein Bettchen lege!“ – „Ist doch klar, wenn du es die ganze Zeit ins Tragetuch packst. Es lernt schon alleine einzuschlafen, hat doch bei dir als Baby auch funktioniert.“

„Mein Baby nimmt das Fläschchen bei Oma nicht!“ – „Ist doch klar, wenn du ihn immer gleich an die Brust legst, wenn er anfängt unruhig zu werden.“

Und dann kommen die „gut gemeinten Ratschläge“, die in etwa so lauten könnten:

„Du musst doch nicht immer gleich reagieren, wenn er schreit. Wenn er keinen Hunger hat und die Windel trocken ist, dann fehlt ihm doch nichts.“

„Er muss lernen, dass du beim Autofahren nicht immer stehenbleiben kannst. Dann schreit er halt mal 15 Minuten. Das schadet ihm auch nicht. Und im Anschluss schläft er dann schon.“

Also gut, dann kann ich mir das Leben doch einfacher machen, richtig? Dann schreit er eben, das legt sich auch wieder. Wo kämen wir denn da hin, würden wir alle Babys so verwöhnen und immer gleich reagieren, wenn sie quieken? „Ist doch kein Wunder, dass die heutige Jugend so verzogen ist.“

Autsch, höre ich hier etwa Haarer, Autorin von „Die Mutter und ihr erstes Kind“, und ihre nationalsozialistischen Erziehungsideale (Verweis erneut auf oben verlinkten Blogbeitrag)?

Jetzt ist Schluss! Ich will das nicht!

Heute war wieder so ein Tag. Ich wurde mit gut gemeinten Ratschlägen überhäuft. Gutgemeint waren sie ja tatsächlich, das ist gar nicht sarkastisch gemeint und ich weiß die Ratschläge auf eine gewisse Weise auch zu schätzen. Schließlich sollen sie mir als Mama das Leben erleichtern. Aber und hier das große Aber: Wie ich meine Kinder erziehe, das entscheide ich, aus meinem Bauchgefühl heraus, auf meine eigene Intuition als Mutter hörend.

Was rät mir meine Intution?

Ich will mein Baby am Körper tragen, sooft und solange bis ich für mich selbst entscheide, dass es mir zu viel wird. Für mich ist dies die beste Lösung, um meinen Aufgaben als Mama und Unternehmerin gerecht zu werden. Es mag hart klingen, aber ich kann mich nicht alle 2-3 Stunden mit meinem Baby ins Bett legen, auf die Gefahr hin, selbst einzuschlafen. Ich leite eine Firma, ich habe einen Haushalt zu führen und ich habe einen 4-jährigen Sohn, der auch beschäftigt werden will. Im Tuch bin ich flexibel, ich kann mich bewegen und ich hab mein Baby bei mir.

Ich will mein Baby stillen, wann immer ich das Gefühl habe, dass es ihm gut tut. Dabei ist es unerheblich, ob 1 oder 3 Stunden seit der letzten Stillmahlzeit vergangen sind. An einem heißen Sommertag wird er öfter nach Flüssigkeit verlangen als an einem kühlen Herbsttag. Und da mittlerweile nachgewiesen wurde, dass häufiges Stillen keine Koliken oder Ähnliches auslöst, spricht auch nichts dagegen, auch hier auf das eigene Bauchgefühl zu hören.

Ich stille genau dann ab, wenn wir beide, Mama und Baby dazu bereit sind. Bei Miguel war dies nach ca. 13 Monaten der Fall. Zuvor hatte ich halbherzige Versuche gestartet, die allesamt auf Widerstand gestoßen waren. Mit 13 Monaten verspürte ich dann das dringende Bedürfnis abstillen zu wollen. Miguel schien dies zu spüren und so griff er ohne große Bemühungen meinerseits wie von selbst zur Wasserflasche wenn er nachts Durst bekam.

Ich will mein Baby nicht schreien lassen! Möglicherweise bin ich hier einfach zu empfindlich, zu feinfühlig oder zu harmoniebedürftig. Aber mein Baby schreien lassen, sei es auch nur für wenige Minuten, das will ich nicht. „Dein Baby muss einfach lernen, dass du nicht immer sofort springen kannst!“ Muss es das? Wirklich? Keine Frage, wenn ich gerade auf der Toilette bin oder dem Postboten öffne, dann kann ich eben nicht sofort nach meinem Baby sehen. Diesen Moment Geduld verlange ich ihm ab, so viel mute ich ihm zu. Auch wenn wir gerade auf der Autobahn sind und mein Baby schreit, kann ich unmöglich sofort anhalten, um es zu beruhigen. Doch immer dann, wenn ich die Möglichkeit dazu habe, es zu beruhigen, werde ich es tun. Kann man zu viel Nähe geben, was meint ihr?

Als hingebungsvolle Trage- und Stillmama gebe ich – von außen betrachtet – vielleicht manchmal mehr als 100%. Ich habe schlechte Nächte, ich fühle mich zeitweise kraftlos und erschöpft und ich sehne mich nach Zeit für mich. Und doch bin ich bereit, die ersten Lebensjahre meiner Kinder auf so manches eigene Bedürfnis zu verzichten. Nicht weil es in den Attachment Parenting Ratgebern so geschrieben steht, sondern einfach nur deshalb, weil es sich richtig für mich anfühlt. Ach wie einfach wäre wohl das Leben, würden wir stets allein darauf hören, was uns unser Bauchgefühl sagt? Gerade in puncto Kindererziehung sind doch wir die Experten, denn keiner kennt unsere Kinder so wie wir das tun, meint ihr nicht?

4 Kommentare

  • Renate sagt:

    Du machst das genau richtig, Tina!!! Du bist eine fantastische Mutter!
    Ich kann dir sehr gut nach empfinden.

    • Martina sagt:

      Liebe Renate, herzlichen Dank für deine Worte. Ob man immer alles richtig macht, weiß man doch nie, aber zumindest glaube ich zu wissen, was meinen Jungs guttut 😉

  • Johanna sagt:

    Wirklich schön geschrieben! Und ich glaube, die meisten unserer Generation kennen diese ganzen „gut gemeinten“ Ratschläge, die absolut und wie du richtig schreibst gegen die eigene Intuition und Bauchgefühl gehen. Bleib dir einfach selbst treu.

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