Der Traum von der Selbstständigkeit, der es Frau erlaubt, Mama und erfolgreiche Unternehmerin zugleich zu sein. Ein Beitrag über die Licht- und Schattenseiten als Mompreneur.

Mama und Unternehmerin, geht das überhaupt?

Mompreneur Licht- und SchattenseitenMompreneur, klingt gut, oder? Unternehmerin und Mama zugleich. Was kann einem als Frau denn Besseres passieren, als Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Freie Zeiteinteilung, Home Office, kein Druck vom Chef und v.a. keine Angst nach der Elternzeit beruflich herabgestuft zu werden.

Ja, es ist wirklich wundervoll als Mama selbstständig zu sein, zumindest dann, wenn neben der eigenen Selbstständigkeit ein Hauptverdienst vorhanden ist, der im Idealfall vom (Ehe-) Partner erbracht wird. Das ist bei uns der Fall und dafür bin ich wirklich dankbar. Und doch ist die Sicherung der finanziellen Grundlage nicht alles, was man für ein entspanntes Mompreneur-Dasein braucht.

Neben dem notwendigen Kapital verlangt einem das Mompreneur-Dasein in erster Linie Folgendes ab: gute Nerven, Geduld. Flexibilität und ein gewisses Organisationstalent. Letzteres ist einem gegeben oder man kann es bis zu einem gewissen Maße erlernen. Doch ein stabiles Nervengerüst, die Fähigkeit spontan auf neue Herausforderungen zu reagieren und ein entspanntes Gemüt, das Dinge, die sich im Augenblick nicht ändern lassen, akzeptiert ohne vergeblich versucht, dagegen anzukämpfen … all dies hängt oftmals stark von der Tagesverfassung ab und lässt sich nicht immer so steuern, wie es uns lieb wäre.

Mit Geduld und Durchhaltevermögen geht alles

Haben Mompreneurs eigentlich irgendwann einmal Urlaub? So richtig Urlaub, in dem man die Seele baumeln lassen kann, in dem man einfach mal die Füße hochlegt und an einem lauen Sommerabend ein gutes Gläschen Wein in einem malerischen Ambiente genießt, ja, das versteht die wohl die Mehrheit unter Urlaub.

Aber nein, all das erwartet man als frisch gebackene Mompreneur mit einem jungen Unternehmen und einem kleinen Baby oder Kind doch gar nicht. Ganz bescheiden fühlt sich bereits eine gemütliche Tasse Cappuccino, mit einer guten Freundin in einem Cafe oder auch alleine auf dem Balkon, wie Urlaub an. Auch eine kleine Siesta kann Wunder bewirken. Eine halbe Stunde oder wenns ganz gut läuft 1 Stunde Auszeit und schon sind die Batterien wieder aufgeladen.

Problem dabei ist nur, dass die wenigen Momente, in denen die Kinder schlafen, meist nicht für die verdiente Auszeit genutzt werden. Wie oft ertappe ich mich dabei, dass ich beim Stillen zur Mittagszeit beinahe mit meinem Baby einschlafe. Wie oft male ich mir aus, wie es wohl wäre, die 1-2 Stunden Mittagsschlaf für ein gemütliches Mittagessen oder einen Spaziergang zu nutzen. Wie gut würde mir das tun? Und was mache ich stattdessen? Ich schmeiße den PC an, bastle an Grafiken, schreibe Blogbeiträge, bereite Social Media Posts vor, beantworte Emails oder ich verbringe die Zeit, die ich mir doch eigentlich für mich nehmen sollte, vor dem Smartphone, um up-to-date zu bleiben.

Wenn das Baby schläft, dann folgt meine Auszeit, die schlichtweg Arbeiten heißt. Endlich Zeit für mich, Zeit für die Firma. Bemerkt ihr den Vergleich, den ich hier in aller Natürlichkeit ziehe: Ich = Mama Ocllo. Irgendwie funktioniert diese Gleichung und gleichzeitig geht sie nicht ganz auf. Denn da gibt es ja noch das: Ich = Mama. Und nicht zuletzt darf das Ich = Ich nicht vergessen werden. Also was nun, wer bin ICH jetzt eigentlich?

Ich bin eine liebende Mama, deren erstes Baby eine Firma war. Oder aber: Ich bin Firmengründerin und habe mir damit den Grundstein für meine berufliche Zukunft gelegt, die Arbeit und Kinder vereinbaren soll. Oder vielleicht: Ich bin Martina, eine junge Frau, die privat und beruflich nach Erfüllung sucht, um einen Sinn im Leben zu finden. Schwierige Frage, auf die ich selbst keine Antwort weiß.

Urlaub einmal anders

Ich schreibe diesen Beitrag, weil gerade wieder einer dieser Momente ist, in denen ich erschöpft bin. Ja, wir sind in Peru, im Urlaub. Und wieder das Thema Urlaub. Urlaub = Mama Ocllo = Mamasein. Natürlich habe ich mit Kleinkind und Säugling nicht das, was man sich unter Urlaub vorstellt. Zwischen Spielen und Stillen werden Stoffmuster besprochen und neue Produkte optimiert, während des Mittagsschlafes läuft der PC und nachts bin ich froh um jede Stunde Schlaf, nachdem ich um 23 Uhr endlich das Smartphone auf Flight Mode gestellt habe.

Ihr wisst ja wie das ist, wenn Kinder abends das Erlebte verarbeiten, Entwicklungsschübe im Gange sind und/oder das kleine Näschen zu ist, weil das Zahnen manchmal eben auch einen Schnupfennase mit sich bringt. Drei Zähne sind allein in den letzten 3 Wochen durchgebrochen und kaum hat Lisandro zu krabbeln begonnen, will er auf zwei Beinen stehen. Wie aufregend für ihn, wie herrlich mit anzusehen und wie kräftezehrend zugleich.

Und doch, ich bin im Urlaub, ich genieße unsere Zeit in Peru, ich freue mich, dass wir als Familie gemeinsam hier sein dürfen, ich bin glücklich, unsere Lieferanten wiederzusehen und an neuen Produkten zu arbeiten und ich bin dankbar für jede halbe Stunde, die einfach nur mir und Gustavo gehört. Missen möchte ich nichts, denn ich liebe es Mompreneur zu sein. Es wird leichter werden, das weiß ich. Wenn erst einmal alle Zähne da sind, wenn beide Kinder so groß sind, dass sie Mama für ein Weilchen entbehren können. Die Zeit wird kommen und das wohl schneller als es mir lieb ist.

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