6-8 Wochen dauert das Wochenbett, eine besonders kostbare Zeit für Mama und Baby. Hebamme Nicola gibt Tipps für ein entspanntes Wochenbett.

Über das Wochenbett haben wir in letzter Zeit viel geschrieben, daher möchte ich euch dieses Mal einfach kurz und bündig Nicolas Tipps für ein entspanntes Wochenbett zusammenfassen. Im Anschluss findet ihr die Aufzeichnung unserer letzten Hebammensprechstunde, bei der Hebamme Nicola eure Fragen in Echtzeit via Facebook Live Chat beantwortete.

Hebammentipp 1: Such dir eine Hebamme

Hebammensprechstunde Tipps für ein entspanntes WochenbettIm Wochenbett gibt es wohl nichts Wertvolleres als eine erfahrene Hebamme, die dich durch Höhen und Tiefen begleitet. Eine Hebamme ist eine Frau von Fach, sie weiß, was bei einem Baby Blues, einem Milchstau oder bei Koliken zu tun ist. Täglich arbeitet sie mit frischgebackenen Eltern, daher gibt es fast nichts, was eine Hebamme noch nicht gesehen oder erlebt hätte. Nicht umsonst zählt die Hebamme zu einer der ältesten und bewährtesten Frauenberufe, deren Arbeit bereits zur Zeit der Pharaonen geschätzt wurde.

Warum also nicht auf dieses „alte Handwerk und Wissen“ zurückgreifen statt Stunden lang Google und damit die digitalen, modernen Medien zu durchforsten. Surfen im Internet wird schnell anstrengend. Ähnlich verhält es sich mit zu vielen angeblichen Erfahrungswerten, die einem von dem engsten Verwandten- und Bekanntenkreis zugetragen werden. Die Oma, die beste Freundin oder gar die besorgte Nachbarin … jeder weiß, was bei Koliken zu tun ist und warum das Baby einfach nicht schlafen will: der Knoblauch in Mamas Essen ist schuld, Baby ist vom Tragen zu sehr verwöhnt, oder oder oder. Hier mischen sich ganz schnell Ammenmärchen und Erziehungsmethoden aus früheren Generationen. Vieles ist mittlerweile überholt und Studien belegen, dass weder das Essen der Mutter Einfluss auf Babys Verdauung hat, noch ein Zuviel an Tragen ein verwöhntes Baby heranwachsen lässt.

Hebammen greifen auf altes, bewährtes Wissen zurück, wissen aber auch, wie wertvoll „moderne Ansätze“ des Attachment Parenting sind. Je nach Bedürfnis ihrer Wöchnerinnen greifen sie auf den Teil ihres Erfahrungsschatzes zurück, der gerade benötigt wird. Und das Gute dabei ist, dass ihr mit einer einzigen Meinung konfrontiert werden. Oftmals wird nämlich schlichtweg zu viel experimentiert mit dem Ergebnis, dass letztlich nichts wirklich greifen kann.

Hebammentipp 2: Ruhe, Ruhe, Ruhe

Eine Schwangerschaft ist anstrengend, besonders in den letzten Wochen vor Entbindungstermin. Wir fühlen uns wie Walrösser, jede kleinste Bewegung wird zum Kraftakt und die Nächte verbringen wir gefühlt länger beim Pieseln auf dem Klo als im Bett.

Nach 9 Monaten Schwangerschaft dann die große Meisterleistung: die Entbindung. Hier werden plötzlich Kräfte mobilisiert, von denen wir gar nicht wussten, dass sie in uns stecken. Wie dankbar sind wir im Anschluss über ein kuscheliges Bett und Momente der Ruhe.

Und doch werden wir auch nach der Geburt nicht direkt den Schlaf finden, nachdem wir uns sehnen. Die Milch schießt ein, damit verwandeln sich die Schwangerschaftshormone in Stillhormone, das Neugeborene weckt uns nachts im 1,5 bis 2 Stunden-Takt und unser Körper, v.a. der Beckenboden, zwingen uns manchmal geradezu auf die Couch oder ins Bett zurück. Und, und, und!

Wir wissen, dass es an der Zeit ist, unsere Kraftreserven gut einzuteilen, aufzuladen, wann immer sich die Möglichkeit dafür ergibt. Also schaff dir unbedingt ein Reich der Ruhe um dich herum. Niste dich mit dem Baby auf der Couch oder im Schlafzimmer ein. Steh die erste Zeit nur auf, wenn es wirklich nötig ist. Lass dir, wenn möglich, das Mittagessen auf einem Tablett servieren und bitte deinen Besuch selbst Kuchen vom Bäcker mitzubringen. Wir Frauen sind wahre Powerbündel und besonders die Schwangerschaft und Geburt haben uns gezeigt, wieviel Energie in uns steckt. Aber! Auch unsere Kraft ist nicht endlos. Gelingt es uns im Wochenbett nicht zur Ruhe zu kommen, werden uns Erschöpfung und Müdigkeit irgendwann einholen und dann sind Stress, Tränen und möglicherweise sogar Ehekrisen vorprogrammiert.

Hebammentipp 3: Plane deine Besuche

Ding, Ding … schon wieder klingelt das Telefon oder ein spontaner Besuch steht vor der Tür! Oh je! So viele liebe Menschen freuen sich mit uns auf den Neuankömmling, wollen unter den ersten Besuchern sein und das Kleine am liebsten noch sehen, solange es so schrumpelig und winzig ist. Ja, das ist in den ersten 2 Wochen der Fall.

Aber fühlen wir uns so kurz nach der Geburt überhaupt schon bereit für große Menschenansammlungen, die nach Kaffee verlangen und unser Baby von Arm zu Arm reichen? Wir sind stolz, sicherlich, und wir freuen uns, dass unser Baby so liebevoll auf der Welt empfangen wird, aber wir freuen uns noch mehr, wenn uns selbst genug Zeit und Ruhe bleibt, um unser Baby ausgiebig kennenzulernen.

Du kennst dich selbst am besten. Wenn dir nach Ruhe zumute ist, du dich erst einmal selbst als Mama findet willst, dann nimm dir diese Zeit. Schick ein paar Fotos über WhatsApp und stille so die erste Neugier. Und wenn du tatsächlich von dir aus den Wunsch verspürst, dein Baby vorzustellen, dir zu lange Besuche aber einfach zu anstrengend sind, dann besuche am besten selbst die engsten Bezugspersonen. So hast du es in der Hand, zur rechten Zeit Adiós zu sagen.

Nur was tun, mit all jenen Familienmitgliedern und Freunden, die kein „Momentan bin ich noch nicht bereit für Besuche“ akzeptieren wollen? Versuchs doch mal mit „Meine Hebamme/mein Arzt hat mir strikte Ruhe verordnet!“ Wer wagt es schon, sich über eine derartige Verordnung hinwegzusetzen? Schaden will euch schließlich niemand.

Hebammentipp 4: Bestimme einen Wochenbettmanager

Was, wenn ich einmal ausfalle? Wer saugt, staubt ab, kocht und wer geht mit dem Hund raus? Bestimme doch einfach frühzeitig einen Wochenbettmanager.

Das kann der Partner sein, aber auch die eigenen Eltern oder Freunde. Jeder, der es sich irgendwie zeitlich einrichten kann, wird dir in der Anfangszeit gerne unter die Arme greifen. Sei so mutig, verteile die Aufgaben des Alltags und lehne dich einfach einmal zurück.

Auch wird es dir gut tun, wenn ab und an die Oma oder Tante vorbeikommt und mit dem Baby eine ausgiebige Runde mit dem Kinderwagen dreht. Du willst dein Baby am liebsten ununterbrochen ansehen, anfassen und umsorgen und gleichzeitig bist du sooo müde. Indem du es zeitweise in vertrauensvolle Hände gibst und dir einen Augenblick Zeit für dich selbst nimmst, sorgst du am besten dafür, dass es euch beiden gut geht.

Was tun, wenn weder Familie noch enge Freunde in Reichweite sind?

In diesem Fall gibt es Organisationen, die ehrenamtlich tätige Mitarbeiter stellen, die zeitweise die Kinder- bzw. Babybetreuung übernehmen. Wellcome ist ein Beispiel dafür. Oftmals wird jungen Familien diese Unterstützung vollkommen kostenlos angeboten, in manchen Fällen ist eine kleine Zuzahlung zu leisten. Aber Hilfe gibt es, für jeden, der danach fragt.

Apropos Hilfe, einige Mamas lassen sich zur Geburt ganz bewusst eine Putzhilfe schenken. Warum sich nicht diesen kleinen Luxus gönnen, wenn es letztlich dafür sorgt, dass wir entspannter unser Wochenbett genießen können?

Hebammentipp 5: Bereite das Wochenbett vor

Die letzten Schwangerschaftswochen kommen uns häufig wie eine Ewigkeit vor. Wir sind bereits in Mutterschutz und wissen nicht, was wir mit unserer Zeit anfangen sollen. Möglicherweise hüten wir hauptsächlich das Haus, weil uns alles andere zu anstrengend ist. Das Kinderzimmer ist vorbereitet, die Erstausstattung liegt bereit und die Kliniktasche ist gepackt. Was nun, was tun?

Nütze die übrige Zeit sinnvoll und leg dir eine Schatzkammer in Form von Essen an. Nicola hat einen tollen Blogbeitrag dazu geschrieben. Koche vor, portioniere das Essen und gib es in die Gefriertruhe. Der Gedanke an das Wochenbett verspricht Zeit und wir freuen uns auf die Zeit der Ruhe und des Kennenlernens.

Schnell wirst du aber feststellen, dass es gerade im Wochenbett immer an Zeit fehlt. Stillen, Wickeln, Schlafen, Stillen, Wickeln, Schlafen, Besuche von der Hebamme, der Kampf mit der Muttermilch, die eigenen Pflege während des Wochenflusses … So viel Zeit, die einfach immer zu schnell verfliegt.

Wie dankbar wirst du sein, wenn du dir keine Gedanken um deine eigene Verpflegung machen braucht. Ein Griff ins Gefrierfach und du hältst dein Mittagessen in den Händen, noch dazu ein gutes, gesundes Mittagessen, das du zubereitet hast, als du noch Zeit und Kopf dafür hattest. Ein Stressfaktor weniger und das Beste, das du neben viel Schlaf für deine Regeneration tun kannst.

Und nun genieß es bzw. freu dich drauf, auf dieses zauberhafte, unbeschreiblich schöne Zeit des Kennenlernens im Wochenbett.

Facebook Live Chat: Montag, 14. August 2017

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Infografik Tipps für ein entspanntes Wochenbett?: Jetzt downloaden und ausdrucken!

Quelle: sämtliche fachliche Informationen dieses Beitrags habe ich unserem Facebook Live Chat entnommen.

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