Mit Hebamme Franziska Müller geht es heute ins schöne Sachsen, nach Stollberg. Franziska verrät uns, wie sie eine werdende Mama beruhigt, die Angst vor der Geburt hat.

In Elternzeit | Hebamme und Krankenschwester

Franziska Müller ist seit 2013 Hebamme in Stollberg, Sachsen, wo sie in Teilzeit an einer Klinik arbeitet und parallel Familien während Schwangerschaft und Wochenbett betreut. Zuvor war sie als Krankenschwester tätig. Aktuell genießt die gelernte Geburtsbegleiterin ihre Elternzeit. Ihr kleiner aufgeweckter Sohn feiert im Juli seinen ersten Geburtstag.

Was sie dazu bewegte, sich zur Hebamme ausbilden zu lassen, erzählt sie im Interview. Doch zunächst möchte ich etwas ganz anderes von der jungen Hebamme wissen.

Liebe Franziska, eine werdende Mama im letzten Schwangerschaftsdrittel ruft dich an und erzählt dir, dass sie auf einmal panische Angst vor der Geburt habe. Wie versuchst du sie zu beruhigen bzw. was kannst du tun, um ihr die Angst ein wenig zu nehmen?

Ich würde erstmal genau Fragen, wovor sie genau Angst hat und herausfinden ob es vielleicht einen Auslöser gibt (Fernsehen, eine Geschichte einer Freundin,…). Je nachdem, was dann dabei rauskommt kann ich nur versuchen, sie zu beruhigen in dem ich ihr erzähle, wie alles so abläuft und was wann passiert. Außerdem ist sie ja in Betreuung einer Hebamme und eines Arztes, die ihren und den Zustand des Kindes immer überwachen und kontrollieren. Sie darf natürlich jederzeit sagen, wenn ihr etwas komisch vorkommt oder sie einfach ein mulmiges Gefühl hat. Manchmal hilft es auch, wenn ich von meiner Geburt erzähle.

Was hat dich eigentlich dazu bewegt, dich zur Hebamme ausbilden zu lassen?

Ich habe während meiner Krankenschwesterausbildung einen Durchlauf im Kreißsaal gehabt und fand es toll: die Frauen, die Babys und die Möglichkeit, sie bei ihrem wahrscheinlich schönsten Moment im Leben unterstützen zu können. Es hat mich einfach fasziniert, wie sich so ein kleines Wesen durch ein Becken arbeitet. Auch was der Körper einer Frau während der Schwangerschaft leistet. Das wollte ich genau erfahren und deshalb die Ausbildung.

Was würdest du sagen, welche besonderen Fähigkeiten bringen Hebammen abseits vom medizinischen Wissen mit?

Definitiv Einfühlungsvermögen aber auch Durchsetzungsvermögen. Eine ruhige Art aber auch Kreativität und Flexibilität.

Magst du uns von einem Erlebnis aus deiner Arbeit als Hebamme erzählen, das dich besonders bewegt hat?

Ein Erlebnis berührt mich immer noch. Im Mai 2016 durfte ich eine sehr liebe und einzigartige Familie betreuen. Sie sind von Berlin nach Sachsen in einen kleinen Ort gezogen. Schwanger wurden sie leider nur durch eine künstliche Befruchtung. Ich hab sie schon in der Schwangerschaft sehr ins Herz geschlossen. Die beiden sind herzensgute Menschen und einfach so liebenswert. Ihr kleiner Sohn kam am 20.5. zur Welt. Nur hat dieser kleine süße Mann eine Besonderheit. Er hat das 21. Chromosom 3-mal, eine Trisomie 21 oder Down-Syndrom. Die Geburt war am Ende etwas hektisch, da der Kleine nicht so ins Becken gerutscht ist, wie er sollte. Er kam zwar spontan zur Welt, wurde aber nach der Geburt schnell den Kinderärzten übergeben und wurde dann bald in eine Uniklinik verlegt, weil er eine Auffälligkeit am Herz zeigte. Von der Trisomie wusste da noch niemand. Das Paar hatte sich bewusst gegen solche Untersuchungen in der Schwangerschaft entschieden. Als sie dann ein paar Tage später davon erfuhren, waren sie natürlich erstmal geschockt. Doch sie haben das Ganze so super toll gemeistert. Sie haben sich informiert und einfach das Beste draus gemacht. Der Kleine geht seit letzten Sommer in die Kita und entwickelt sich prächtig. Klar ist er entwicklungsverzögert und lernt gerade erst laufen, aber trotzdem ist es Wahnsinn, was diese Familie daraus gemacht hat. Sie haben sich nicht gescheut und lassen sich davon nicht unterkriegen.

Falls es dich interessiert liebe Martina, die liebe Mama hat ein Insta-Profil fraeulein_i . Seit 1 Monat sind diese tollen Menschen Eltern von Zwillingen. Der kleine Mann, ist also großer Bruder. Durch meine Elternzeit kann ich sie diesmal nicht betreuen, aber das macht nichts. Wir haben trotzdem noch Kontakt und das freut mich riesig. Es ist ja auch für mich interessant, ein so besonderes Kind aufwachsen zu sehen.

Was müsste passieren, damit sich wieder mehr Frauen für eine Hebammen-Ausbildung entscheiden?

Definitiv müssten sich die ganzen Rahmenbedingungen verbessern. Klar soll die Akademisierung den Beruf vielleicht auch aufwerten, allerdings sehen Kollegen und ich dabei die Praxis verloren gehen. Außerdem muss sich an der Bezahlung, gerade in der Freiberuflichkeit, was ändern. Die Versicherung ist definitiv zu hoch. Auch das Schließen von Kreißsälen trägt nicht dazu bei, das es mehr Azubis gibt.

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