Heute besuchen wir Hebamme Helen Düll aus Bonn. Die junge Geburtsbegleiterin verrät euch, was es zu bedenken gibt, wenn ihr über eine vegane Beikost nachdenkt.

Vor- und Nachsorge | Eine Hebamme von Anfang an

Im Kreißsaal hat die junge Hebamme Helen Düll ihre Praxiserfahrung während der Ausbildung gesammelt und im Kreißsaal ist sie auch heute noch tätig. Aktuell ist Helen Teil des Hebammen-Teams am Johanniter Krankenhaus in Bonn.

Freiberuflich begleitet Helen werdende Eltern während Vor- und Nachsorge. Wusstet ihr, dass ihr eure Vorsorgeuntersuchungen – mit Ausnahme des Ultraschalls – komplett in die Hände eurer Hebamme legen könnt? Die Kosten dafür trägt die Krankenkasse. Auch habt ihr die Option, euch parallel von eurem Gynäkologen und einer Hebammen im Wechsel betreuen zu lassen. Ich persönlich kann euch eine Hebammenbetreuung bereits während der Schwangerschaft aus eigener Erfahrung nur ans Herz legen.

Hebamme Helen begleitet euch also auf Wunsch von Beginn der Schwangerschaft bis hin zu Beikosteinführung und Abstillen. Das hat den großen Vorteil, dass ihr eine einzige Ansprechpartnerin des Vertrauens an eurer Seite habt, die euren gemeinsamen Weg von Anfang an mitgeht.

Vegane Beikost fürs Baby? Was Helen dazu sagt und welche Tipps sie jungen Eltern mit auf den Weg geben möchte, erfahrt ihr im Folgenden.

Liebe Helen, eine junge Mama möchte ihr Baby bereits mit Beginn der Beikost vegan ernähren. Was rätst du ihr bzw. welche Tipps kannst du ihr mit auf den Weg geben?

Zu Beginn der Beikost werden die meisten Kinder noch von Ihren Müttern gestillt und erhalten so jede Menge Antikörper, Mineralien und Vitamine über die Muttermilch, welche sich nach dem Bedarf des Kindes ändert. Die ersten Beikostgerichte wie Möhrenbrei, Kartoffeln- oder Pastinakenbrei sind daher sowieso vegan und sollten nicht mit Kuhmilch oder ähnlichem vermischt werden.

Wird das Kind größer und wird nicht mehr gestillt sollte man bei der Beikost auf abwechslungsreiche Ernährung achten. In vielen Lebensmitteln wie zum Beispiel Hülsenfrüchten sind Vitamine und Spurenelemente wie Eisen enthalten. Das problematische an der veganen Ernährung ist jedoch das Hinzuführen von Vitamin B12, welches sich vegan ernährende Erwachsene substituieren müssen.

Eine vegane Ernährung im Säuglings-/Kleinkindalter sollte gut überdacht sein, um sicherzustellen, dass das Kind ausreichend versorgt wird. Ein enger Kontakt und sowie die Beratung durch einen erfahrenen Kinderarzt sind hierbei unerlässlich.

Was hat dich eigentlich dazu bewegt, dich zur Hebamme ausbilden zu lassen?

Die Entscheidung Hebamme zu werden war eine Bauchentscheidung. Nach meinem Abitur 2013 wollte ich eigentlich Ernährungswissenschaften studieren, jedoch habe ich keinen Studienplatz bekommen. So musste ich mir eine Alternative überlegen und sah mich nach einem Praktikum im Kreißsaal um. Schon in den ersten Praktikumswochen wusste ich, dass ich genau das machen will und mir trotz der schweren Hebammenlage keinen schöneren Job vorstellen kann.

Was würdest du sagen, welche besonderen Fähigkeiten bringen Hebammen abseits vom medizinischen Wissen mit?

Eine Hebamme muss ein „Allrounder“ sein. Neben einem umfassenden medizinischen Wissen, sind wir mehr als einfaches Pflegepersonal. Wir sind gute Zuhörer, müssen einfühlsam sein und uns schnell auf andere Personen einlassen können bzw. schnell erkennen was die einzelnen werdenden Eltern oder Mamas brauchen, um ihre Ressourcen zu stärken.

Des Weiteren müssen wir zuverlässig sein und natürlich eine gewisse Hand fürs Managen haben, damit man mit Kreißsaaldiensten und Freiberuflichkeit nicht im Chaos versinkt!

Magst du uns von einem Erlebnis aus deiner Arbeit als Hebamme erzählen, das dich besonders bewegt hat?

Am Anfang meines Berufslebens (kurz nach der Ausbildung) habe ich einmal ein Paar betreut, dessen Geburtserlebnis mich sehr berührt hat. Die Geburt ihres Babys dauerte schon mehrere Stunden an und ich übernahm die werdende Mama kurz vor Ende der Geburt von meiner Kollegin. Nachdem ihre kleine Tochter endlich das Licht der Welt erblickt hat, weinte der Vater viele viele dicke Tränen vor lauter Freude.

Er war so stolz auf seine Frau und seine Tochter und er konnte fast gar nicht mehr aufhören vor Freude zu weinen. Das hat mich sehr ergriffen und mir stiegen auch ein paar Tränchen in die Augen.

Was müsste passieren, damit sich wieder mehr Frauen für eine Hebammen-Ausbildung entscheiden?

Trotz der ganzen Publicity des Hebammenberufs ist er zur Zeit nicht sonderlich attraktiv. Schichtdienst, Arbeit an Wochenenden und Feiertagen und für die große Verantwortung, die man trägt, schlechte Bezahlung.

Am Schicht- und Wochenenddienst lässt sich vermutlich nichts ändern, da Kinder nun einmal nicht von Montags-Freitags von 8-17 Uhr auf die Welt kommen, jedoch wenn die Bezahlung besser wäre und es mehr Kolleginnen gäbe, wäre die Belastung in den Kreißsälen auch nicht so hoch.

Jede Frau hätte eine gute Betreuung und gerade das ist Hebammenarbeit, die Spaß macht. Wenn ich aber 3 Frauen gleichzeitig betreuen muss und das Gefühl habe, ich vernachlässige die werdenden Eltern, dann macht mich das unzufrieden. Und durch diese Unzufriedenheit habe ich schon öfter mal mit dem Gedanken gespielt, einen anderen Beruf zu erlernen und das darf nicht sein! Es werden immer Kinder geboren und es ist so wichtig, dass sich die Lage für

Hebammen verbessert, damit viele Frauen (und auch gerne Männer) den Beruf ergreifen und der Beruf nicht ausstirbt.

Hebamme Helen Düll Vegane Beikost

Connect with: Hebamme Helen Düll aus Nordrhein-Westfalen

Website: www.hebamme-helenduell.de
Email: info[at]hebamme-helenduell.de
Telefon: 0176 45 89 72 23
Instagram: @hebammehelen

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