Und weiter geht unsere Deutschlandreise, dieses Mal nach Hannover, wo Hebamme Janette Fromm Familien begleitet. Von Janette möchte ich wissen, was bei einem wunden Babypo zu tun ist.

Hebammen-Absolventin mit Auslandserfahrung

„Das war für mich eine wunderschöne aber auch sehr beeindruckende und prägende Zeit, auch für meine Arbeit.“ (Janette Fromm zu ihrer Auslandserfahrung in Ghana)

Ab dem Jahr 2020 soll ein Studium die Berufsausbildung zur Hebamme ablösen. In einigen Bundesländern werden Hebammenwissenschaften bereits an den Universitäten bzw. FHs angeboten. Hebamme Janette Fromm hat in Osnabrück studiert und 2013 ihren akademischen Titel als B. Sc. Midwifery erhalten.

Während ihres Studiums begann sie als selbstständige Hebamme zu arbeiten und direkt im Anschluss daran führte sie ihr Weg für 3 Monate als Geburtsbegleiterin nach Ghana.

Wieder zurück in Deutschland begleitete sie 4 Jahre lang als Beleghebamme Geburten in einer kleinen Klinik (ca. 500 Geburten/Jahr) nahe Osnabrück. Seit November 2017 ist Janette Teil eines sympathischen Teams in der Hebammenpraxis In der Mitte in ihrer Heimatstadt Hannover. Neben Wochenbettbetreuung, Hausbesuchen, Vorsorgen, Still- und Beikostberatung, bietet Janette Kurse zur Geburtsvorbereitung sowie zur Schwangerschafts- und Rückbildungsgymnastik an. Akupunktur zählt zu ihren weitere Kenntnissen und Fertigkeiten.

Weder um ihr Studium noch um Ghana soll es bei meiner ersten Frage an die junge Hebamme gehen. Vielmehr möchte ich von Janette wissen, was bei einem roten Babypo zu tun ist.

Eine junge Mama wendet sich an dich, liebe Janette, weil ihr Neugeborenes einen roten, wunden Po hat. Wie kann sie die Hautirritation beruhigen bzw. was rätst du ihr, um künftig Rötungen im Windelbereich vorzubeugen?

Dass ein Neugeborenes einen roten, wunden Po hat, erlebe ich öfters in meiner täglichen Arbeit.
Die Ursache dafür liegt oft daran, dass durch die häufige Ausscheidung des Babys ein feuchtes Milieu im Windelbereich vorliegt. Dadurch können Rötungen schneller entstehen und der Po wird wund. Da viele Eltern ihrem Kind Einmalwindeln aus Plastik anziehen, begünstigt dies zudem die Entstehung eines fechten Milieus im Windelbereich.

Wichtig ist hier, viel Luft an den wunden Po zu lassen, das heißt nach jedem Wickeln das Kind einige Zeit ohne Windel auf dem Wickeltisch liegen zu lassen. Außerdem sollten keine Feuchttücher zum Saubermachen verwendet werden, da diese das Bakterienwachstum begünstigen und zudem auch oft Zusatzstoffe enthalten, die die sowieso bereits empfindliche Babyhaut angreifen können. Stattdessen kann der Po gut mit frischem Wasser und einem Waschlappen gereinigt werden, anschließend die wunde Stellen mit abgekühltem Schwarztee abtupfen, trocknen lassen und eine dünne Schicht guter Wundschutzsalbe (z.B. Zinksalbe) auf dem Po verteilen.
Eine weitere Überlegung könnte sein, auf Stoffwindeln oder zumindest auf eine schadstoffärmere Einmalwindel umzustellen und vor allem zügig die vollen Windeln zu wechseln.

Was hat dich eigentlich dazu bewegt, dich zur Hebamme ausbilden zu lassen?

Der Berufswunsch zur Hebamme kam kurz vor meinem Abitur: Ich wusste schon früh, dass ich keinen Job ausüben möchte, bei dem ich von morgens bis abends im Büro sitze. Viel lieber wollte ich mit und für Menschen arbeiten und einen abwechslungsreichen Beruf ausüben, gern auch im sozialen Bereich oder im Gesundheitswesen. Als ich 12 Jahre alt war, wurde mein Bruder geboren. Damals kam auch eine Hebamme zu uns und ich fand es sehr spannend, ihr beim Wiegen und Baden des Kindes zuzuschauen.

Zudem interessieren mich bereits lange Schwangerschaft und Geburt als Bereiche der Gynäkologie. Also entschied ich mich mit 18 Jahren für ein Praktikum im Kreißsaal einer großen Universitätsklinik. Vom ersten Tag an war mir klar: Ich möchte Hebamme werden und nichts anderes!

Was würdest du sagen, welche besonderen Fähigkeiten bringen Hebammen abseits vom medizinischen Wissen mit?

Hebammen sollten emphatisch sein und sich in kürzester Zeit auf unterschiedlichste Situationen, Herausforderungen und Menschen einstellen können. Sie sind unter der Geburt zurückhaltende Beobachterinnen, greifen aber jederzeit ein, wenn es nötig sein sollte.

Ein gewisses handwerkliches Geschick zu haben ist als Hebamme von Vorteil, da wir die meiste Arbeit auch heutzutage immer noch mit den Händen tun.

Das Stärken der Frauen und Paare in ihren eigenen Fähigkeiten sehe ich als eine meiner hauptsächlichen und wichtigsten Aufgaben als Hebamme.

Magst du uns von einem Erlebnis aus deiner Arbeit als Hebamme erzählen, das dich besonders bewegt hat?

Vor kurzem betreute ich eine Flüchtlingsfrau aus Syrien. Was sie über ihre letzten Monate und Jahre lebend in einem Kriegsgebiet erzählt hat, ist mir schon recht nahe gegangen. Sie hat mir die ganze Betreuungszeit über so viel Dankbarkeit entgegen gebracht, obwohl ich ja „nur“ meinen Job getan habe. Ich habe versucht sie in ihrer Mutterrolle zu bestärken – so, wie ich es bei jeder Frau und Familie mache. Das hat mir nochmal gezeigt, wie wichtig unser Berufsstand doch ist und wie damit aktiv die Gesundheit von Mutter und Kind gefördert werden kann.

Was müsste passieren, damit sich wieder mehr Frauen für eine Hebammen-Ausbildung entscheiden?

Zunächst einmal sollten die positiven Aspekte des Berufes wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden: eine Frau und Familie in solch einer neuen, aufregenden Zeit begleiten zu dürfen und das Wunder von Schwangerschaft und Geburt hautnah mitzuerleben, ist jedes Mal aufs Neue faszinierend.

Wir brauchen junge Kolleginnen, die Mut haben, sich den Herausforderungen des Berufes zu stellen, auch wenn die Zeiten für uns Hebammen momentan nicht immer leicht sind.

Weiterhin wäre eine Anpassung des Stellenschlüssels der Kolleginnen im Kreißsaal und eine angemessenere Bezahlung aller Hebammen (angestellt und freiberuflich) meiner Meinung nach erforderlich, um langfristig eine sichere Geburtshilfe und eine ausreichende häusliche Versorgung von Mutter und Kind durch die Hebamme gewährleisten zu können.

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Connect with: Hebamme Janette Fromm aus Niedersachsen

Website: www.hebammen-zeit.de
Telefon: 0176 28 52 60 57
Instagram: @hebammejanettefromm
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