Wir starten unsere Interview-Reihe mit Hebamme Jenny Kossert aus Brandenburg. Die zweifache Mutter und erfahrene Hebamme wird euch ein wenig zum Thema Babyschlaf erzählen.

Hebamme in Elternzeit … Betreuung über eigenen YouTube Vlog

Auf Jenny bin ich über ein YouTube-Video aufmerksam geworden, indem sie erzählt, worauf es bei Baby´s Erstausstattung ankommt. Videos dieser Art findet man zu Hauf auf YouTube, meist gedreht von jungen Müttern, die ihr Familienleben über einen Vlog mit der Öffentlichkeit teilen. Selten jedoch blieb ich an einem Video hängen und bekam Lust auf mehr. Mir gefiel ihre sympathische Art und die Authentizität mit der sie innerhalb kürzester Zeit Antworten auf Fragen gibt, die wohl jede junge Mama früher oder später beschäftigen.

Während ihrer Elternzeit hat die zweifache Mutter aus Brandenburg begonnen YouTube Videos zu Themen rund um die Schwangerschaft, die Geburt und die Zeit danach zu drehen. In jedem ihrer Videos wird spürbar, mit wieviel Herzblut sie ihren Beruf als Hebamme ausübt.

Zuvor arbeitete Hebamme Jenny viele Jahre in der Klinik, begleitete dort rund 600 Geburten, bevor sie selbst ihr erstes Kind bekam. Im Anschluss an ihre Elternzeit wird sie mit einer befreundeten Yogalehrerin eine eigene Hebammenpraxis eröffnen und, so hoffe ich, parallel weiter fleißig Videos drehen. Denn darüber freuen sich nicht nur all jene Mütter, die ohne eine eigene  Hebammenbetreuung auskommen müssen.

So, liebe Jenny, nun meinen Fragen an dich.

Eine verzweifelte Mama ruft dich an, weil ihr Neugeborenes kaum länger als 1,5 Stunden am Stück schläft. Wie reagierst du bzw. wie versuchst du ihr zu helfen?

Wenn Babys geboren werden, haben sie noch keinen Tag-Nacht-Rhythmus. Oft zum Leidwesen der jungen Eltern. Das Durchschlafen ist für die Babys ein Lernprozess, der ganz unterschiedlich andauern kann. Feste Rituale am Abend können helfen, zum Beispiel das Neugeborene baden, Schlafsachen anziehen, den Raum verdunkeln, eine Spieluhr und und und. Wichtig ist es in jedem Fall ruhig zu bleiben, wenn Babys schreien und der Grund dafür nicht immer ersichtlich ist, weil sich die Unruhe sonst nur auf die Babys überträgt. Und wenn mal ganz doll die Luft raus ist oder man mit den Nerven am Ende ist, sollte man sich unbedingt Hilfe holen. Meistens hilft es Neugeborenen wenn sie gepuckt oder getragen werden, ein warmes Körnerkissen auf dem Bauch und ganz viel Liebe und Zuwendung.

Was hat dich eigentlich dazu bewegt, dich zur Hebamme ausbilden zu lassen?

Ich wollte schon immer mit Menschen zusammen arbeiten und es ist mir ein großes Bedürfnis Familien, aber auch gerade den Babys einen bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen. Mein Beruf macht mich nicht reich, aber unheimlich glücklich.

Was würdest du sagen, welche besonderen Fähigkeiten bringen Hebammen abseits vom medizinischen Wissen mit?

Fast alle Hebammen, die ich kenne, sind unheimlich engagiert und opfern sich für ihren Beruf auf. Als Hebamme sollte man auf jeden Fall tolerant und aufgeschlossen sein. Weitsicht kann nicht schaden, das lernt man aber auch mit der Zeit. Was ich auch noch wichtig finde und was mich als Hebamme auch ausmacht, ist Ruhe und Geduld.

Magst du uns von einem Erlebnis aus deiner Arbeit als Hebamme erzählen, das dich besonders bewegt hat?

In meiner Zeit als Hebamme habe ich bisher über 600 Geburten begleitet. Darunter waren einige nach denen mir die Hände vor Anstrengung zitterten oder ich auch Tränen in den Augen hatte vor Freude. Die letzte Geburt vor meiner Babypause war auch sehr aufregend. Ein Mann kam ganz aufgeregt mit seiner Frau im Rollstuhl angeschossen. Nachdem ich hörte wie sie eine  Wehe veratmete, wurde mir klar, sie hat schon Presswehen. Wir legten sie mit dem Mann gemeinsam ins Bett und zogen ihr die Hose aus. Ich schaffte es gerade so noch in die Handschuhe und dann war das Baby schon da. Mutter, Baby und auch der Papa waren wohl auf, nur erstmal etwas überrascht von der schnellen Geburt. Ich bin mir sicher, diese Geschichte wird zu jedem Geburtstag des Kindes erzählt.

Was müsste passieren, damit sich wieder mehr Frauen für eine Hebammen-Ausbildung entscheiden?

Es ist nicht nur das Problem, dass sich keiner mehr zur Hebamme ausbilden lassen will, sondern dass viele Hebammen aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen irgendwann das Handtuch werfen.  Hier sind gesetzliche Regelungen längst überfällig, zum Beispiel eine mindestens 1:2 Betreuung von Frauen in der Klinik. Im Moment betreut eine Hebamme oft wesentlich mehr Frauen unter der Geburt, das ist auf Dauer nicht aushaltbar und auch für viele nicht mehr mit ihrem Gewissen zu vereinbaren. Die derzeitige Situation macht unglücklich, weil man seine Arbeit ja gut machen möchte, was aber einfach nicht geht, wenn man nur von einer Frau zur nächsten rennt und das jeden Tag.

Bei den freiberuflichen Hebammen ist es so, dass sie von den Krankenkassen einen Beitrag für ihre Leistungen festgelegt bekommen, der leider oft nicht im Verhältnis steht. Das gilt besonders für Hausgeburten.

Für mich ist Hebamme aber immer noch mein Traumberuf. Ich habe so viele Möglichkeiten, wie in kaum einen anderen Beruf. Viele Jahre war ich angestellt und habe in Schichten gearbeitet, was auch Vorteile hat, gerade wenn man jung ist. Man muss zum Beispiel nicht immer früh aufstehen. Jetzt hat sich meine Lebenssituation geändert, weil ich selbst 2 Kinder habe. Ich kann mein Arbeitsleben jetzt ohne Probleme anpassen.

In der Elternzeit habe ich mir einen YouTube Kanal aufgebaut, in dem gebe ich kostenlos Tipps zum Thema Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit Baby. Ab Juli arbeite ich wieder als Hebamme angestellt und freiberuflich mit meiner Partnerin in unserer Praxis Lebensbaum im Spreewald, die wir gerade noch aufbauen. Ich habe also einen tollen Job, mit vielen Möglichkeiten.

Allgemein würde ich mir wünschen, dass Politik und Gesellschaft wieder etwas familienfreundlicher werden, weil gerade der Anfang so wichtig ist.

Hebamme Jenny und ihr Traumberuf

Zumindest eines der vielen schönen Videos aus Jennys YouTube Vlog möchte ich euch zeigen. Zum Welthebammentag 2018 hat Jenny ein Video gedreht, in dem sie erzählt, was sie an ihrem Beruf so sehr liebt.

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Hebamme Jenny Kossert aus Brandenburg_mein Baby schläft schlecht

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