In Hannover, Niedersachsen, lebt und arbeitet Hebamme Nadine Mathea. Nadine verrät euch, was Grund dafür sein kann, dass die Milch nicht richtig fließt.

Vor- und Nachsorge | Bald in eigenen Praxisräumen

Nadine Mathea hat sich in Hannover zur Hebamme ausbilden lassen, bevor sie selbst erstmals Mutter wurde. Vor ihrer Elternzeit begleitete sie Geburten im Kreißsaal. Heute ist sie freiberuflich tätig, bietet Schwangerschaftsvorsorgen, Wochenbettbetreuung und Beikostgespräche an.

In Kürze findet ihr die junge Hebamme mit einem ausgewählten Kursangebot in ihren eigenen Praxisräumen. Nun aber lasst uns Nadine und ihre Arbeit als Hebamme ein wenig kennenlernen.

Liebe Nadine, eine junge Mama ruft dich an, weil ihre Brust schmerzt und die Milch nicht richtig fließt. Wie beruhigst du sie bzw. was rätst du ihr?

Erst einmal würde ich wohl zu ihr fahren, um mir selber ein Bild von der Situation zu machen und zu beurteilen, ob es sich um einen Milchstau handelt oder sogar schon um eine Mastitis (Brustentzündung). Ich würde ihr dazu raten, ihr Kind nun möglichst oft zu stillen. Bei einem Milchstau ist es besonders wichtig, dass die Brust regelmäßig entleert wird. Dabei helfen außerdem warme Umschläge vor dem Stillen (das stellt die Gefäße weit und lässt die Milch besser fließen) und kalte Umschläge nach dem Stillen um die Milchproduktion zu hemmen (z.B. in Form von Kohlblättern oder Quarkwickeln). Auch die Stillposition kann unterstützend wirken. So sollte das Kinn des Kindes zur betroffenen Stelle zeigen, da dies der Bereich ist, der am besten entleert wird. Beim Stillen kann man dann noch ganz sanft die Brust massieren, beziehungsweise ausstreichen.

Übrigens ist oft der Hauptgrund für einen Milchstau Stress oder Erschöpfung, da dadurch der Milchspenderreflex beeinflusst wird. Also noch ein Grund für die Mamas, sich besonders in der ersten Zeit zu schonen und Acht auf sich zu geben!

Was hat dich eigentlich dazu bewegt, dich zur Hebamme ausbilden zu lassen?

Mich hat der Beruf einfach fasziniert. Er trägt einen ganz besonderen Zauber in sich. Man hat die Chance, Familien in einer ganz besonderen Lebensphase zu begleiten, bekommt all diese Emotionen mit und erfährt viel Dankbarkeit. Diese Dankbarkeit war mir immer schon wichtiger als ein dicker Gehaltsscheck. Am Ende des Tages lohnt sich dafür und für diese vielen Gänsehautmomente auch immer die ganze Mühe.

Die Ausbildungszeit war nicht immer leicht, aber die Aussicht auf eine vielseitige berufliche Zukunft hat mich immer motiviert. Die Arbeit im Kreißsaal, Geburtshaus oder als Vor-und Nachsorgehebamme unterscheiden sich sehr und man hat die Chance sich dort einzubringen, wo man sich am wohlsten mit fühlt.

Was würdest du sagen, welche besonderen Fähigkeiten bringen Hebammen abseits vom medizinischen Wissen mit?

Ich glaube Einfühlungsvermögen ist eine der wichtigsten Eigenschaften. Ich glaube für (werdende) Mütter oder auch Väter ist es sehr wichtig, dass sie sich verstanden fühlen. Besonders in unsicheren Momenten (die ganz normal sind, wenn man in die neue Elternrolle hineinwächst). Auch das Gefühl Rückhalt zu haben, ist für die Eltern von großer Bedeutung. Ich freue mich jedes Mal sehr, wenn ich einer Frau Vertrauen schenken darf, sich selbst zu vertrauen. Und ich kann nur immer wieder predigen, wie wichtig dieses Vertrauen und ein gutes Gefühl der Frau ist. Es hat die Macht eine Schwangerschaft, eine Geburt, das Wochenbett oder die gesamte Beziehung zu einem Kind zu verändern und zu prägen.

Magst du uns von einem Erlebnis aus deiner Arbeit als Hebamme erzählen, das dich besonders bewegt hat?

Ich könnte hier von vielen kleinen Momenten erzählen, denn ehrlich gesagt bewegt mich fast täglich etwas und das zeigt wahrscheinlich auch, dass es für mich nicht nur ein Beruf ist. Aber am meisten hat mich die Geburt meiner eigenen Tochter geprägt. Denn seit dem weiß ich, dass sich etwas ändern muss. Ich hatte das Glück meine ganz persönliche Hebamme zu haben, die mich sowohl in der Schwangerschaft, unter der Geburt, als auch im Wochenbett betreut hat. Jedes Mal hat sie sich so viel Zeit genommen um individuell für mich da zu sein und mich damit sehr gestärkt. Nie gab es stressige Situationen und gerade unter der Geburt konnte ich ganz in Ruhe und Frieden meine Tochter zur Welt bringen. Es war so, wie ich es mir vorgestellt habe und das habe ich dem guten Gefühl (von dem ich vorhin schon gesprochen habe) zu verdanken. Und dieses Gefühl wäre vielleicht auf der Strecke geblieben, wäre ich im Kreißsaal gewesen, wo meine Hebamme noch vier andere Frauen gleichzeitig betreut hätte und ich mich wohlmöglich alleingelassen gefühlt hätte. Die Folgen davon wären wohlmöglich Panik und Kapitulation gewesen. Dies soll keineswegs ein Vorwurf sein, denn auch ich habe schon Frauen unter der Geburt alleine lassen müssen, einfach weil es wegen des Personalmangels nicht anders ging. Ich wünsche mir so sehr, sowohl für Mütter, Kinder, Väter und auch für uns Hebammen, dass individuelle Geburtserlebnisse, die in einem geschützten, ruhigen Raum stattfinden, wieder zum Alltag werden. Egal ob im Krankenhaus, in Geburtshäusern oder Zuhause. Denn dank diesem eigenen Geburtserlebnis kann ich noch mehr begreifen, was das alles ausmacht und bedeutet.

Was müsste passieren, damit sich wieder mehr Frauen für eine Hebammen-Ausbildung entscheiden?

Die Arbeit, die man leistet, müsste in erster Linie besser vergütet werden. Dann würden sich sicher mehr Frauen (oder gerne auch Männer) für diesen Beruf entscheiden. Wenn der Nachwuchs dann da wäre, würden auch endlich die vielen freien Stellen in den Krankenhäusern besetzt werden, sodass man sich nicht mehr kaputt arbeiten muss. (Vielleicht können es sich Außenstehende nicht wirklich vorstellen, aber so einen vollen Kreißsaal zu wuppen ist wirklich ein Knochenjob.) Und auch in der außerklinischen Geburtshilfe muss etwas passieren! Sie muss wieder bezahlbar sein, das heißt  die Versicherungsprämien müssten sinken. Denn hier wird die Nachfrage immer größer und auch viele Kolleginnen würden gerne eigenverantwortlich arbeiten, um besser auf die Familien eingehen zu können.

Hebamme Nadine Mathea aus Hannover spricht über Milchstau

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