„Kinderlebensmittel sind für Kinder nicht geeignet!“ Hebamme und Ernährungsberaterin Nicola zeigt, warum gerade Kinderlebensmittel gemieden werden sollten.

Zucker, Zucker, Zucker

Mmh, lecker! Wir alle lieben sie doch, süße Lebensmittel in jeglicher Form. Und doch legen wir bei unseren Kinder meist großen Wert auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung, in der Zucker eine nebengeordnete Rolle spielen soll. Solange nur irgend möglich essen wir unser Stück Kuchen heimlich, huschen wir mit dem Kinderwagen zügig an der Eisdiele vorbei und versuchen wir am Familientisch den Schwerpunkt auf frisches Obst und Gemüse zu legen.

Und wenn wir einmal nicht genug Zeit zum Kochen haben, auf Reisen sind oder mit Kind von Termin zu Termin rasen, dann decken wir uns vorab mit „guten“ Kinderbreien und „gesunden“ Kinderlebensmitteln ein. Als Vormittagssnack ein leckerer reiner Fruchtriegel, mittags ein Gemüse-Gläschen und abends ein leckerer Bio-Milchbrei. Dafür geben wir dann auch gerne mal etwas mehr Geld aus, schließlich wollen wir nur das Beste für unser Baby und so vertrauen wir auf Hersteller, die noch wirklich mit ihrem Namen hinter den Produkten stehen.

Nicola kennt die Marketingtricks, die uns und auch unsere kleinen Kinder hinters Licht führen und von Food Watch zur rechten Zeit als Verbraucherlüge enttarnt werden.

Achtung Babybrei

In den ersten Jahren findet unsere Geschmacksprägung statt. Was wir früh kennen- und lieben lernen, wird uns in den meisten Fällen ein Leben lang begleitet. Das ist auch gut so, nur eben nicht beim Thema Zucker!

Milchbreie fürs Baby sind lecker, keine Frage. Sie schmecken schön süß und machen Lust auf mehr. Und süß sind sie tatsächlich, bestehen sie doch größtenteils aus Zucker, vor allem dann, wenn als erster Inhaltsstoff Zucker aufgeführt wird.

Auch von 2er, 3er und Kindermilch rät Nicola ganz klar ab. Zu viele Aromastoffe, zu viel Zucker machen die als gesund propagierten Baby- und Kinderlebensmittel schlichtweg ungeeignet für die Kleinsten. Gesetzliche Vorgaben zum Wohle der Kinder gibt es hier übrigens nicht.

Gefahr Fruktose

Fruchtriegel sind einfach praktisch. Es gibt sie in konventioneller sowie in Bioqualität. Sie passen in jede Tasche und dienen als Notreserve für unterwegs. Besonders attraktiv wirken sie dank des Aufdrucks „Süße nur aus Früchten“. Ein gesunder Snack also?

Nein, denn auch Süße aus Früchten ist Zucker, denn ebenso wie unser raffinierter Haushaltszucker aus Gemüse, wird Fruchtzucker aus Obst gewonnen. Bei einem Fruchtsaftkonzentrat, wie er dem Riegel zugesetzt wird, werden dem frischen Obst zunächst die Ballaststoffe, im Anschluss die Flüssigkeit entzogen. Was bleibt ist reine Fruktose, die wiederum von unserem Stoffwechsel nicht gut verarbeitet werden kann.

Zucker wird also aus Obst oder Gemüse extrahiert. Es bleibt die „Süße aus Früchten“, die die Kinder unter dem Deckmantel „zuckerfrei“ konsumieren.

Quetschi

Kinder lieben Quetschis. Sie sehen schönen aus und machen vor allem Spaß.

Die meisten Quetschis enthalten Zucker, doch es gibt hier tatsächlich auch zuckerfreie Quetschis. Das ist die erfreuliche Nachricht. Und doch raten insbesondere Zahnärzte dringend von den Obstpürees ab.

Gerade bei Kindern ist es wichtig, dass sie ihr Essen kauen, statt es einzusaugen. Wird dem Kind schon früh die Möglichkeit verwehrt ausreichend zu kauen, kommt es häufig zur Rückbildung des Zahnfleisches.

Auch kommt es meist zu keinem wirklichen Sättigungsgefühl. Wenn das Kind mit 100g Frischobst (entspricht dem Inhalt eines Quetschies) eine ganze Weile beschäftigt ist, so ist ein Quetschbeutel oftmals binnen 1-2 Minuten leergesaugt.

Ein weiteres Manko an dem Obstpüree To Go sind die Konservierungsstoffe. Quetschies werden pastorisiert, was bedeutet, dass das Obst 2 Stunden lang auf über 80 Grad erhitzt wird. Was bei diesen Temperaturen mit den natürlichen Vitaminen geschieht könnt ihr euch sicherlich denken.

2400 Kalorien für ein Kleinkind?

Viele Eltern orientieren sich bei den industriellen Lebensmitteln, die sie für ihre Kinder kaufen, an den Nährwerttabellen der jeweiligen Produkte. Wenn also bei der Milchschnitte angegeben wird, dass sie 6% des Tagesbedarfs decken würde, wird daraus geschlussfolgert, dass es sich dabei wirklich nur um einen kleinen Snack handle, der nichts Verwerfliches an sich habe.

Falsch! 6% des Tagesbedarfes steht zwar auf der Milchschnitte, jedoch sind diese 6% auf den Kalorienbedarf eines Erwachsenen gerechnet. Ein erwachsener Mann (!) benötigt durchschnittlich 2400 Kalorien pro Tag. Ein Kind mit 1 Jahr hingegen nur 1000 Kalorien. Aus 6% für einen Erwachsenen werden hier als 12% für ein Kleinkind. Und 12% des Tagesbedarfs, der allein durch eine Milchschnitte gedeckt wird, ist doch eine ganze Menge, meint ihr nicht?

Biene Maja, Prinzessin Lillyfee und Mickey Maus

Mickey Maus und Biene Maja lachen aus der Kühltheke und locken an der Kasse von Kaufhäusern. Kinder kommen schwerlich daran vorbei, ohne zumindest in Versuchung zu geraten. Warum die langweilige Müslipackung kaufen, wenn nebenan Mickey mit Sammelkarten auf der Cornflakes Packung lockt?

Nicola warnt vor dieser aggressiven Form des Kindermarketings. Zwar bereiten Eltern ihren Kindern kurzzeitig eine Freude, indem die Mickey Mouse Cornflakes statt der Müslimischung kaufen, doch langfristig gesehen werden sie ihnen damit keinen Gefallen tun. ¼ des Packungsinhalts ist bei Frühstücksflocken häufig reiner Zucker.

Und was haben unsere Kinder wirklich davon? Übergewicht, Typ 2 Diabetes, kaputte Zähne und Konzentrationsschwäche in Kindergarten und Schule. Also vielleicht doch lieber die gesunde Müslipackung, morgens mit frischem Obst kindgerecht aufbereitet und eine Mickey Mouse Geschichte zum Nachtisch?

Facebook Live Chat: Montag, 06. November 2017

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Quelle: sämtliche fachliche Informationen dieses Beitrags habe ich unserem Facebook Live Chat entnommen.

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