Tränen, weil die Muttermilch nicht reicht, weil dein Baby Hunger hat? Doula und Familienbegleiterin Mika weiß, dass Baby´s vermeintlicher Hunger oftmals ganz andere Ursachen hat. Ein Erfahrungsbericht direkt aus dem Leben, aus ihrer täglichen Arbeit mit jungen Mamas.

Der Hunger dieser Welt

 „Mein Baby wird nicht satt!“ ist ein Satz, den ich häufig höre. Gefühlt viel zu häufig.

Diesen Satz habe ich auch über Wochen von Frau M. gehört, die einen knuffigen Sohn bekommen hatte. Es war eine lange und schwere Geburt, hat sie mir erzählt, und der Bursche wog über 4000 Gramm bei Geburt.

Frau M. hat schon eine Tochter, die sie auch gut gestillt hat. Sie hat auch lange gestillt und war fest entschlossen, ihren Sohn auch lange zu stillen. Mindestens ein Jahr. So weit so gut, bis Frau M. mir im gleichen Atemzug sagte „ich gebe ihm auch die Flasche“. Etwas verdattert schaute ich sie an und fragte nach weshalb. Naja, er wird nicht satt von der Muttermilch, er weint und die große Schwester war ein Schreikind. Die hat so viel geweint und jetzt saß ich da mit einer verunsicherten Mutter, die das Beste für ihr Kind wollte nur nicht so richtig wusste WIE?!

Ich wog den kleinen Wonnepropen und ging 2 Mal die Woche hin, damit Frau M. die Ruhe und Gewissheit fand, die sie brauchte.

Aber es war schwer sie davon zu überzeugen, dass Stillen alleine reicht. Es war nicht schwer zu sehen, dass ihr Kind wöchentlich drei bis vierhundert Gramm die Woche zu nahm; das besorgte die Waage. Aber die Sicherheit der Mutter war schwieriger zu besorgen.

Und mit jeder Flasche, die sie gab, gab es auch mehr Tränen, denn die Verdauung wurde schwierig und das Kind hatte zwischen Brust und Flasche gar keine Zeit um zu verdauen.

Engelszungen wünsche ich mir in diesen Momenten immer, denn das ist das Einzige, was hilft um den Hunger der Mütter zu stillen, dass sie das Beste tun für ihr Kind.

Woher kommst du, Unsicherheit?

Frau M. ist nur ein Beispiel aus meiner täglichen Arbeit, die zeigt, dass Mütter auch gestillt werden müssen. Ihre Unsicherheit muss gestillt werden. Ihr Selbstvertrauen muss aufgebaut werden. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Manchmal ist es, weil das erste Kind so unruhig war. Manchmal weil die Schwiegermutter selbst nie gestillt hat und dann auch das Dilemma, dass immer weniger Frauen von Hebammen versorgt werden und in den Kliniken schon das geschulte Personal überlastet ist und dann auch, dass die Fertigmilch immer die gleiche Qualität garantiert, die einem versichert, dass alles gut ist.

Aber warum sprechen wir Mütter uns die Fähigkeit ab, auch gute Milch zu produzieren? Und auch genug davon! So viel, dass das Baby satt wird.

Ja, es ist möglich und es ist nicht die Ausnahme. Manchmal muss man einfach nur vertrauen auf sich selbst und Mutter Natur, die es schon seit Ewigzeiten so eingerichtet hat. Manchmal muss man sich jemanden suchen, der einem Vertrauen einflößt und ich wünschte mir, dass es dafür eine Medizin gäbe. Nicht für mich, sondern für alle Mütter. Mehr Liebe und Zuversicht als Nahrung für sich selbst sozusagen und weniger Angst und Unsicherheit.

Frau M. und ihrem Prachtburschen, der nach 8 Wochen 6500 Gramm wog, geht es gut. Sie stillt jetzt einfach und sie stillt auch ihren Hunger. Sie isst gut, sie kuschelt mit ihren Kindern und es geht ihr gut.

Mika Kienberger (Doula und Family Care Nurse)
Email: mail@wunschgeburt.de

3 Kommentare

  • Stephanie sagt:

    Ich war beim Stillen auch immer verunsichert. Erst beim dritten Kind konnte ich es genießen.

  • Olga sagt:

    Huhu,
    ein sehr schöner Beitrag! Die Sorge, dass mein Kind nicht satt wird, hatte ich eigentlich nie gehabt. Ich habe so viel Milch gehabt, das hätte für mindestens zwei Kinder gereicht.
    Viele Grüße
    Olga

  • Eliane sagt:

    Schöner Beitrag! Diese Unterstützung wünschte ich auch jeder Mutter!

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