Zu viel Muttermilch, das ist doch wunderbar, oder? An und für sich ja, aber zu viel Muttermilch stresst das Neugeborene und stört schlichtweg im Alltag. Lest, was mir geholfen hat.

Muttermilch | So kostbar, aber doch bitte in Maßen

Der weibliche Körper ist, laut meiner Hebamme, nach der Entbindung zunächst einmal auf Zwillinge eingestellt. Dies wiederum bedeutet, dass Milch in der Menge produziert wird, dass sie für zwei Babys genügt. Wieso das so ist und warum nicht jede junge Mama über ausreichend Milch verfügt, dürft ihr mich nicht fragen. Aber gehen wir nun einfach einmal von der These meiner Hebamme aus und stellen uns vor, was es bedeutet, Milch für zwei Neugeborene produzieren zu müssen.

Schon kurz nach der Geburt benötigt ein Baby zwischen 80 und 100ml Milch pro Portion, und dies alle 2-3 Stunden. Das ist viel, v.a. wenn man sich anfangs auf die doppelte Menge einstellen muss.

Der Milcheinschuss

Was tun bei zu viel MuttermilchHebamme Nicola Herrmann hat euch bereits Tipps gegeben, wie ihr einer Brustentzündung, die oftmals dem Milcheinschuss folgt, vorbeugen könnt. Dank dieser wertvollen Ratschläge konnte ich selbst einen Milchstau verhindern.

Eine Sorge weniger also und ich freute mich bereits auf eine entspannte Stillzeit, ohne wunde Brustwarzen und heiße Knötchen in der Brust. Wäre da nicht diese Masse an Milch gewesen, die mich zwang regelmäßig nicht nur meine Stilleinlagen sondern auch die Kleidung zu wechseln. So außer Haus gehen mag man ungern, hat man mit zwei Kindern schließlich schon genug Wechselkleidung im Gepäck.

Also machte ich mich, begleitet von meiner Wochenbett-Hebamme, auf zur nächsten Baustelle, nämlich zur Milchreduktion. Ein faszinierendes Thema, wie ich finde, denn da gibt es tatsächlich ganz einfache Tricks, um die eigene Milchproduktion gezielt zu steuern. Da dieses Thema in der Rückbildungsgruppe gleich mehrmals auftrat, als ich es ansprach, dachte ich, ich fasse einmal kurz das Wichtigste für euch zusammen.

Praktische Helfer bei zu viel Muttermilch

In den ersten 2-4 Wochen nach der Entbindung stellt sich der Körper langsam auf die neue Herausforderung des Stillens ein. Auch die zu produzierende Milchmenge pendelt sich in den meisten Fällen langsam von selbst ein. In dieser Zeit hüten die meisten Frauen, wie es Hebammen empfehlen, das Wochenbett und verlassen ohnehin selten das Haus.

Daher ist es auch nicht so problematisch, wenn BH und Kleidung vorm oder während dem Stillen nass werden. Aber es nervt, schließlich hat man bei einem Neugeborenen schon genug zu waschen und möchte nicht noch mehr Zeit im Bad verbringen als es ohnehin schon der Fall ist.

Bei zu viel Muttermilch dürfen, meiner Erfahrung nach, zwei praktische Utensilien nicht fehlen: Stilleinlagen und Milchauffangschalen.

Stilleinlagen

Stilleinlagen gibt es in jedem Drogeriemarkt und zwar als Wegwerfvariante und als wiederverwendbare Einlagen aus Baumwolle oder auch Wolle/Seide. Hier gibt es, wie bei allem, Qualitätsunterschiede, die sich vor allem in der Saugfähigkeit und beim Tragekomfort bemerkbar machen.

Milchauffangschalen

Produziert der Körper zu viel Muttermilch, passiert es häufig, dass während des Stillens der Milchspenderreflex der freiliegenden Brust zeitgleich derart angeregt wird, dass die Milch beginnt zu laufen, ohne dass an der Brust gesaugt wird.

Hier hilft eine Stilleinlage meist wenig, da diese nur eine kleine Menge an Milch aufsaugen kann. Alles was darüber hinausgeht durchtränkt den BH und hinterlässt Milchflecken auf der Kleidung. Hier helfen Milchauffangschalen. Die praktischen Auffangschalen werden vor dem Stillen in den BH gelegt und sammeln während des Stillens die auslaufende Milch. So bleibt die Kleidung trocken und ihr spart an Stilleinlagen.

Methode zur Milchreduktion: Leerpumpen und Neuprogrammieren

Stilleinlagen und Milchauffangschalen sind praktisch und erleichtern den Alltag, aber ungern macht man sich dauerhaft von diesen praktischen Helfern abhängig. Bei vielen Frauen pendelt sich die Milchproduktion von ganz alleine ein, denn letztlich ist es die Nachfrage, die das Angebot regelt.

Jedoch kann es auch sein, dass sich das Auslaufen der Brust über Monate hinzieht und damit die Flexibilität und das Wohlbefinden der Mutter einschränkt, die stets mit Auffangschalen und Wechselkleidung gerüstet sein muss.

Um dem von Anfang an einen Riegel vorzuschieben, entschied ich mich noch im Wochenbett, dem Ganzen ein wenig nachzuhelfen und zwar mit einer Methode der Milchreduktion, die mir meine Hebammen empfohlen hatte: (1) Leerpumpen beider Brüste (2) Anlegen (3) Pro Zeitzyklus nur auf einer Seite stillen

Nach dieser Methode also, die auf der Seite stillkinder.de sehr ausführlich beschrieben wird, werden in einem ersten Schritt beide Brüste einmal komplett leergepumpt (am besten morgens gleich nach dem Aufstehen). Dafür verwendet ihr eine Hand- oder elektrische Pumpe. Im Anschluss wird das Baby an beide Seiten so lange angelegt, wie es danach verlangt.

Sind die Brüste leer, beginnt die „Neuprogrammierung“ der Milchproduktion. Ab sofort wird in Zeitintervallen von ca. 4 Stunden das Baby jeweils nur an einer Seite angelegt; also beispielsweise nur an der rechten Brust. Nach den 4 Stunden wird die Seite gewechselt und ihr stillt ausschließlich links. Nach einiger Zeit sollte sich ein neuer Rhythmus einspielen, bei dem die Brust kaum noch ausläuft.

Ist dies nicht der Fall, wird dieselbe Methode erneut angewandt, allerdings verlängert man die Zeitintervalle von 4 auf 6 Stunden, so ist die Empfehlung. Die Milchmenge sollte sich spätestens dann deutlich reduziert haben. Und keine Angst, das Baby wird nach wie vor ausreichend Milch erhalten, dafür sorgt das regelmäßige Anlegen.

Ich persönlich konnte beobachten, dass sich diese Methode der Milchreduktion nicht nur positiv auf mich sondern auch auf die Verdauung meines Babys auswirkte. Denn ein Zuviel an Milch überfordert ein Neugeborenes schnell, es verschluckt sich und schnappt nach Luft. Blähungen sind die Folge. Fließt die Milch langsamer nehmen häufig auch die Blähungen ab.

Der Stilldemenz trotzen mit einer Still-App

Zunächst noch schmunzelt man über den Begriff Stilldemenz. Als würden wir mit dem Stillen vergesslicher und unstrukturierter werden.

Nun ja, ob es nun wirklich am Stillen liegt oder ganz einfach damit zu tun hat, dass gerade im Wochenbett alles noch so neu ist, wir mit den Gedanken immerzu bei unserem Baby sind und uns selbst dabei häufig vergessen, das lassen wir mal offen.

Jedenfalls, uns das werden mir sicherlich die meisten jungen Mamas bestätigen, kommt das Zeitgefühl abhanden. Immer wieder hatte und habe ich das Gefühl, ich hätte mein Baby eben noch gestillt, doch in Realität sind über 2 Stunden vergangen. Auch die Fragen nach der Brust, mit der zuletzt gestillt wurde, stellte ich mir immer und immer wieder.

Die wohl einfachste Methode gegen das Vergessen ist eine Still-App. Ich bin kein allzu großer App-Fan, aber Still-Apps erfüllen einfach ihren Zweck, indem sie dokumentieren, wann an welcher Seite zuletzt gestillt wurde.

Salbeitee reduziert die Muttermilch nach Bedarf

Da empfohlen wird, die Brüste nicht  zu oft leerzupumpen, entschied ich mich einmalig für 4-Stunden-Intervalle und Salbeitee als unterstützendes Hausmittel. Salbeitee hat eine abstillende Wirkung und trägt, in Maßen konsumiert, zur Milchreduktion bei.

Täglich sollte max. eine Tasse Salbeitee getrunken werden. Schon nach einer Tasse werdet ihr merken, dass die Milchproduktion abnimmt. Ich trinke Salbeitee nach Bedarf. Noch haben wir keinen gleichbleibenden Stillrhythmus, daher kommt es schon einmal vor, dass zu viel Milch einschießt und ich das Gefühl habe, dass mein Baby auch mit weniger Milch auskommen würde.

Aber nochmal, seid vorsichtig und übertreibt es nicht mit dem Salbeitee, vor allem dann, wenn ihr noch einer längeren Stillzeit entgegenblickt. Sprecht auch hier am besten mit eurer Hebamme, schließlich soll aus zu viel Muttermilch nicht plötzlich zu wenig Muttermilch werden.

So, Beitrag ist fertig, Baby hat Hunger … Ich wünsche euch eine schöne, entspannte Stillzeit!

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