Geburts- und Familienbegleiterin Mika widmet sich in diesem Beitrag noch einmal dem sehr sensiblen Thema „Trennung“. Was ist das Beste für die Kinder? Wissen wir es wirklich? Wichtig: Mikas Worte sind keinesfalls wertend zu verstehen und doch werden sie vielen Eltern aus der Seele sprechen.

Nur das Beste…

Wir Mütter, wir wollen immer nur das Beste für unsere Kinder. Besonders bei einer Trennung vom Partner. Das ist gut und wichtig, aber was ist tatsächlich das Beste? Gibt es das Beste für das Kind in einer solchen Situation überhaupt? Je kleiner das Kind, umso mehr meinen wir Mütter, wir wüssten es. Wir müssen ja wissen, was das Beste für unsere Kleinen und Kleinsten ist. Weil wir nach wie vor die Hauptbezugspersonen sind. Weil wir sie in unseren Bäuchen haben wachsen lassen, jeden Tritt gespürt und die Geburt gerockt haben. Ja, deshalb kennen wir sie am Besten und wissen was am aller-aller-allerbesten für sie ist. Denken wir zumindest.

Ich sag euch mal was: Nein! Wir wissen nicht was am Besten für die Kinder ist! 

Gut, jetzt kommt die große Empörung. Wie kann DIE das sagen?! Was nimmt DIE sich da raus?!

Wenn ihr das verdaut habt, könnt ihr gerne weiterlesen und wenn nicht, dann gerne an mich schreiben.

Alles klar, du liest weiter :), also zurück zum Thema.

Das Beste für mein Kind?

Natürlich haben wir Mütter eine ganz besondere Beziehung zu unseren Kindern. Je kleiner, desto intensiver, inniger, verliebter – irgendwie. Das kenn ich auch. Und dann kommt die Trennung. Und egal wer den Prozess einläutet, es ist immer ein Wirrwarr. Ein Kloss aus Emotionen, Rationalität, Angst, Traurigkeit, Sorgen, Wut, Enttäuschung, noch mehr Sorgen, Schmerz und Frust. Und das ist ein ziemlich übler Cocktail – ehrlich. Weil der vernebelt die Sinne. Und auch wenn du, Mama, den Schritt der Trennung gegangen bist, auch dann hängst du an dem Cocktail. Vielleicht nicht ganz so Tequila oder Vodka, aber mindestens Radler.

Und ab dann beginnt es echt komisch zu werden, wenn man als Mutter sagt „ich weiß, was das Beste für mein Kind ist“ oder „ich will nur das Beste für mein Kind“. Denn wenn du dir den Absatz oben anschaust ist das nichts, was einfach zu managen ist. Klar, hast du mal gute Tage oder Stunden in denen du alles schön rational hinbekommst – quasi funktionstüchtig bist. Das heißt aber nicht unbedingt, dass du im Sinne deines Kindes handelst. Denn durch die innige Verbindung zum Kind, projizierst du schon was auf dein Kind. Das ist quasi Alkoholkonsum in der Schwangerschaft – irgendwas bekommt das Kind immer ab. Und da Kinder, egal welchen Alters, ja auch Neugeborene – immer kooperieren wollen und wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben in eine echte echte Krise stürzen, können sie sich auch nicht losreißen und fallen in ein tiefes Loch.

Und wie sieht das aus?

Ja, ganz unterschiedlich. Das kann sich an so vielen vielen vielen Dingen zeigen. Ach, da reicht ein Post nicht. Jedenfalls wird es dem Kind nicht gut gehen und auch einem Baby wird es auf irgendeine Weise nicht gut gehen.

Und was sagt der Vater?

Und was ich ganz oft feststelle an der Stelle ist, dass dann der Vater Schuld hat. Echt, das höre ich immer wieder. Und weil der ja nicht so gut gebunden ist, hat der halt auch keine Ahnung und sowieso, kennt der das Kind nicht so gut. Vielleicht ist er auch verantwortungslos. Und jetzt soll er sich deshalb bitte sich rausnehmen, zurücknehmen und so.

Aber ganz echt, das sagst du ihm nicht um des Kindes Willen, sondern um deinen Cocktail zu verarbeiten. Den zwei Absätze drüber. Und vielleicht haderst du mit deinem Schicksal, hast vielleicht noch Hoffnung, dass es doch gut wird. Was auch immer.

Jetzt übertreibt sie aber, wirst du sagen. Naja, immerhin habe ich die Trennungssache auch schon durch. Und in den letzten 11 Jahren musste ich mir dann doch oft genug ehrlich im Spiegel sagen, dass es gerade nicht um das Wohl meiner Tochter, sondern um MEINE Befindlichkeiten geht. Um das, was ich gerade will und für richtig erachte.

Ziemliche Zwickmühle, liebe Mama. Und jetzt weißt du auch, dass ich auch weiß, wovon ich rede. Und ich sehe diese Verwirrung bei so vielen Trennungen. Und je verhärteter die Fronten, je mehr schmutzige Wäsche gewaschen wird (egal wer die in den Ring wirft, gell), desto hartnäckiger ist die Meinung der Mütter, nur das Beste für das Kind zu wollen. Und es ist auch echt das Totschlagargument schlecht hin, wenn die Mutter sagt, sie kennt das Kind ja besser und weiß was gut ist. Da kommt kaum was dagegen an.

Und der Vater kann das echt nicht topen. Wie denn auch? Und auch wenn du denkst und vielleicht auch sagst, er kriegt das nicht hin, hast du vielleicht auch was dazu beigetragen. Und wenn du sagst, er ist verantwortungslos, hat er jemals die Verantwortung übernehmen können oder bist du gerade einfach wütend auf ihn? Das sind unbequeme Fragen und davon habe ich auch noch einen ganzen Haufen mehr. Weil ich mir all diese Fragen auch schon gestellt habe und ich fand die auch nicht sehr angenehm. Echt nicht. Nie. Und wenn ich ehrlich bin, versuche ich auch heute noch den Fragen auszuweichen. Manchmal. Weil es bei einer Trennung auch um mich/um dich geht. Aber das muss halt getrennt werden. Also was wirklich gut und wichtig für das Kind ist und was mein Ding ist.

Der Weg aus dem Karussell

Klarheit ist da das Wort. Und um Klarheit zu bekommen, muss ich entweder wirklich bodenlos ehrlich zu mir sein, auch wenn es unbequem ist. Oder du suchst dir jemanden, einen Coach, Therapeuten oder eine Beratungsstelle, die dir hilft mal deine Perspektive zu verändern.

Eigentlich hilft das am besten, wenn jemand nicht befangen ist. Und manchmal kann es auch etwas dauern, bis man die richtige Person dafür gefunden hat. Eine Person, die auch ehrlich ist, die vielleicht auch mal unbequeme Fragen stellt und unbequeme Antworten gibt. Wo du diese Anlaufstellen findest, kannst du in einem meiner letzten Posts (hier entlang) nachlesen.

Deine Mika

Geburtsbegleiterin Mika Kienberger
Email: mail@wunschgeburt.de

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