Viele Beziehungen gehen noch während der Schwangerschaft in die Brüche. Der Grund? Doula und Familienbegleiterin Mika räumt mit dem vermeintlichen Sündenbock, den Schwangerschaftshormonen, auf.

Zigarettenholen 2017 … oder warum die Hormone schuld sind

Heute möchte ich über ein ganz sensibles Thema für euch schreiben. Ja, ich weiß, alles rund um Schwangerschaft und Geburt ist sensibel. Vor allem die Frau ist sensibel. Letzten Monat habe ich darüber geschrieben, wie sich die Frau verändert, wie unter anderem die Hormone sie verändern. Das ist eine große Sache, merke ich immer wieder in meiner Arbeit mit Müttern. Und mit alleingelassenen Müttern im Besonderen.

Hilfe … die Hormone sind schuld!

Ja, es passiert viel öfter als man denkt, dass sich Männer während der Schwangerschaft wegen der „Hormone“ aus dem Staub machen. Quasi das Zigarettenholen der 70er in 2017.

Das ist ein wenig unfair, finde ich. Ziemlich unfair sogar. Denn als Frau hast du nicht die Wahl und kannst deine Hormone weder ein – aus – noch umschalten, wie du gerade willst. Und nach der 12. Schwangerschaftswoche hast du auch nicht mehr die Chance, dich aus der Verantwortung zu ziehen. Das ist jetzt dein ganz persönliches, bescheidenes Los – alleinerziehend schon in der Schwangerschaft. Und weil heute alle viel gesünder leben und weniger rauchen, sind es jetzt die Hormone, die es einem Mann unmöglich machen zu bleiben und nicht mehr das „Zigaretten holen“.

Es ist ja auch scheinbar einfach zu sagen „die Hormone sind schuld“. Oft sind es aber ganz andere Themen die weit dahinter stecken. Die eigene Geschichte, die Verantwortung der Ernährer zu sein, das eigene Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Also, deine Hormone sind gar nicht schuld. Das ist die gute Nachricht. Und vielleicht tröstet es dich ja ein wenig, wenn ich dir das sage und auch, dass sich statistisch jedes zweite Paar nach dem Baby trennt oder scheiden lässt.

Plötzlich alleinerziehend mit Baby im Bauch

Aus meiner Erfahrung meistern es die Frauen erstaunlich gut. Und nicht selten durch die Hormone :-). Weil eine schwangere Frau eine starke Frau ist. Klar, hat sie sich das anders vorgestellt, das höre ich oft. Aber auch aus dieser Aufgabe schöpfen Frauen Kraft. Und es ist auch nicht jeden Tag gleich gut, wie in jeder anderen Schwangerschaft.

Jetzt ist er weg

Und du bist nicht mehr allein. Dein Baby wächst und du hast auch sorgenvolle Tage und Gedanken darüber, wie die Geburt sein wird, wie es mit dem Baby alleine sein wird und so weiter, sind ganz normal. Du musst jetzt vieles umplanen, Dinge regeln. Was du nicht machen musst, ist dir den Kopf Tag und Nacht zu zerbrechen, wie es denn weitergeht. Denn vieles entscheidet sich erst, wenn das Baby da ist. Lass dir von mir gesagt sein: DU SCHAFFST DAS!

Zu Hülfe!

Hilfe sieht ganz unterschiedlich aus. Zum Beispiel findest du praktische Hilfen in fast jeder Stadt. Es gibt die sogenannten Frühen Hilfen, die sehr gut ausgebaut und vernetzt sind und dir auch dabei helfen, ein Netzwerk auf- oder auszubauen, bei der Wohnungssuche, bei der Versorgung des Babys und so weiter. Kirchliche Einrichtungen wie die Diakonie oder die Caritas haben oft Unterstützungsangebote. Auch gibt es in jeder größeren Stadt die Schwangerenberatungsstellen, die besonders gut geschult sind für solche Themen, also sehr gut beraten können und auch für finanzielle Hilfe sorgen können. Und nicht zu Letzt kannst du dir selbst helfen; zum Beispiel mit einer Selbsthilfegruppe, in der andere Frauen genau in derselben Situation sind wie du. Die findest du im Internet und sicher auch irgendwo in deiner Nähe.

Ach, und so selten ist das Phänomen nicht, denn statistisch trennt sich jedes zweite Paar innerhalb der ersten zwei Jahr nach Geburt eines Kindes. Aber darüber werde ich im Oktober schreiben und auch über den ganzen offiziellen Kram, der mit einer Trennung zusammenhängt ;-).

Deine Mika

Geburtsbegleiterin Mika Kienberger
Email: mail@wunschgeburt.de

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