Heute, am 5. Mai 2018, ist Welthebammentag oder auch International Day of the Midwife. Mit diesem Beitrag möchte ich all jenen wundervollen Hebammen Tribut zollen, die tagtäglich zum Wohl von werdenden Müttern und ihren Babys beitragen; selbstlos, aufopfernd und mit einer Menge Herzblut.

Schwangerschaft und Geburt … wo der beste Ratgeber keine Lösung bietet

Wir leben in einer Zeit, in der Informationstechnologien den Alltag bestimmen. Stellt sich uns eine Frage, strömen aus allen nur erdenklichen Richtungen Antworten auf uns ein; sei es über das Internet, das Fernsehen, das Radio oder einen aufwendig erarbeiteten Ratgeber. An Wissensquellen mangelt es also keinesfalls. Und so springen wir von einer Quelle zur anderen, wägen Stunden lang ab, welcher Ratschlag der sinnvollste zu sein scheint und setzen irgendwann ganz erschöpft die Kaffeemaschine in Gang, weil die Augenlider schwer werden.

Besonders viele Fragen treten mit der ersten Schwangerschaft auf. Spätestens mit einem positiven Schwangerschaftstest beginnt das Studium von Fachliteratur, das Durchforsten von Foren und die Lektüre von Schwangerschaftsratgebern. Schon bald fühlen wir uns gerüstet. Alle wichtigen Checklisten liegen bereit, die Kinderzimmermöbel sind bestellt und das Baby kann kommen. Doch dann, ganz unverhofft, geschieht etwas, mit dem wir in dem ganzen Vorbereitungstrubel gar nicht gerechnet hatten: es schleicht sich ein ungewohntes, unangenehmes Gefühl ein. Wir bekommen Angst; Angst vor der Geburt, Angst, der Mutterrolle nicht gewachsen zu sein.

Plötzlich rückt das gesamte erlernte Wissen in den Hintergrund. Es geht nicht mehr darum ein Examen als Best prepared Mom to be zu bestehen, sondern es geht um ein Gefühl, ein Vertrauen und ein zaghaftes Annähern an den eigenen Körper, an das Baby im Bauch und letztlich an sich selbst als Frau und werdende Mutter. Was wir nun brauchen finden wir in keiner der oben genannten Quellen: Urvertrauen.

Auf der Suche nach dem Urvertrauen | Hand in Hand mit deiner Hebamme

„Schwangerschaft und Geburt [ist] eine Chance, wieder Urvertrauen zu erleben.“ (Hebamme Ingeborg Stadelmann)

Eine Hebamme reicht dir die Hand und begleitet dich in eine neue Lebensphase, mit ihrem Einfühlungsvermögen, ihrem Wissen und ihrer Präsenz. Ihre Aufgabe ist es, dich in Kontakt mit dir selbst, deinem Körper und damit deinem Baby zu bringen. Gemeinsam mit deiner Geburtsbegleiterin wirst du dich auf die Suche nach jenem Gefühl machen, das Hebamme Ingeborg Stadelmann Urvertrauen nennt.

Denn die wohl beste Vorbereitung auf das Mama-Werden und Mama-Sein ist es, ein Gefühl des Vertrauens in die eigene Stärke und in die Natürlichkeit von Schwangerschaft und Geburt zu entwickeln.

Was wir nicht kennen macht uns Angst | Eine Hebamme schafft Vertrauen in das Neue

Wenn sich ein Baby auf den Weg macht, verändern wir uns. Unser Körper verändert sich, aber auch unser Gefühlsleben. Dabei erleben wir viele Situationen, in denen wir uns selbst fremd sind, weil wir mit Emotionen konfrontiert werden, die wir bisher nicht kannten. Manchmal kullern Tränen ohne dass wir den Grund dafür kennen, dann wieder müssen wir die Tageszeitung zur Seite legen, weil uns die aktuellen Unfallberichte in eine depressive Stimmung versetzen. Hinzu kommt, dass unsere bisherige Lieblingsspeise unerklärlicherweise einen faden Geschmack angenommen hat und wir den Teller enttäuscht zur Seite schieben.

Es verändert sich also allerhand mit Beginn der Schwangerschaft und da wir uns selbst nicht mehr wiedererkennen, unser Partner diesen Veränderungen ebenso hilflos ausgeliefert ist, fühlen wir uns nicht selten alleine mit unserem Gefühlsleben. Auch wollen wir niemandem zur Last fallen mit unseren Wehklagen über Kopf-, Rückenschmerzen, Sodbrennen, Müdigkeit und/oder Übelkeit.

Die Hebamme deines Vertrauens darfst du anrufen, wenn dir zum Weinen zumute ist oder du am liebsten aus der Haut fahren willst, weil alles juckt und spannt. Bei ihr wirst du ein offenes Ohr finden, denn deine Geburtsbegleiterin versteht dich. Sie weiß, welch starken Einfluss die hormonellen Veränderungen auf Körper und Psyche einer Frau haben. Sie kann sich einfühlen und dir das Gefühl vermitteln, verstanden zu werden. Allein die Sicherheit, eine Person an seiner Seite zu wissen, die versteht, was für dich so neu und fremd ist, und die dir erklärt, dass dies alles ein ganz natürlicher Prozess ist, den jede werdende Mama durchläuft, schafft Vertrauen; Vertrauen in die Hebamme, Vertrauen in den eigenen Körper und nicht zuletzt Vertrauen in das Baby, das darin heranwächst.

Wenn der Körper verrücktspielt | Eine Hebamme weiß, was Linderung schafft

Nicht jede Frau, doch mit Sicherheit ein Großteil davon, hat mit Schwangerschaftsbeschwerden zu kämpfen. Mal reagiert die Haut, dann die Verdauung, dann wieder der Kreislauf. Oftmals tragen bereits ganz einfache Hausmittel, wie Tees oder Öle, zu unserem körperlichen Wohlbefinden bei.

Eine Hebamme kennt die wichtigsten natürlichen Heilmittel, sie weiß, welche Globuli für welches Wehwehchen anzuwenden sind und sie zaubert allerhand praktische Tipps für die Eigentherapie zuhause aus ihrem Wissensrepertoire.

So genügt häufig ein Anruf bei der Hebamme und man spart sich den Weg zum Gynäkologen, denn die Hebamme kennt ihre Frauen und deren Bedürfnisse, sodass das passende Mittel schnell gefunden ist.

„Für mich war das damals ein Aha-Erlebnis, dass sie [meine Hebamme] sich besser mit meinem Körper auskennt als der Arzt. Also was Wochenbett, Stillen (Milchstau…) und Rückbildung betrifft.“ (Kristina Lutilsky, mamylu).

Dabei leitet die Hebamme an, begleitet und beratschlagt dich, die eigentliche Behandlung erfolgt jedoch meist in Eigenregie. Dies gibt dir die Chance, dich selbst und deinen Körper besser kennenzulernen.

Mit ihrem heilmedizinischen Wissen und ihrer Kenntnis über die menschliche Anatomie lehrt deine Hebamme dich, die Zeichen deines Körpers zu erkennen und stärkt dadurch dein Urvertrauen in deine körpereigenen Kräfte.

Wenn der Weg zum Arzt zu beschwerlich ist | Eine Hebamme kommt zu dir

Hebammen nehmen sich das Wohl ihrer „Frauen“ sehr zu Herzen. Meist sind sie daher gut erreichbar und kommen gerne auch nach Hause, wenn die Umstände es verlangen; während des Wochenbettes dürfen junge Mütter sogar jeden bis jeden zweiten Tag mit der Präsenz ihrer Hebamme rechnen.

Schnell wird eine Hebamme zur wichtigsten Vertrauensperson, die Mama, Baby und oftmals auch den Papa Schritt für Schritt durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleitet.

Auch das sichere Gefühl nicht allein zu sein, sich in guten Händen zu wissen, stärkt unser Vertrauen in uns und in das Leben allgemein. Die Schwangerschaft und Geburt kann uns keiner abnehmen, aber wie wir beides erleben, hängt ganz entscheidend davon ab, wie selbstsicher wir diesen natürlichen Vorgängen entgegenblicken.

Meine Inspiration für diesen Beitrag

Der Inhalt dieses Beitrags ist im freundschaftlichen Austausch mit Ingeborg Stadelmann, Hebamme und Autorin von Die Hebammensprechstunde, entstanden. Ich wollte von Frau Stadelmann wissen, wie sie die Grundbedürfnisse von (werdenden) Müttern und ihren Babys definieren würde. Daraufhin bat ich sie, sich Gedanken zu machen über den Anteil den Hebammen an der Befriedigung dieser Bedürfnisse leisten würden. Daraus entstanden ist eine Art Bedürfnispyramide, weniger sachlich aus jene des nordamerikanischen Psychologen Abraham Maslow, dafür aber mitten aus dem Leben gegriffen. Mehr zur Bedürfnispyramide à la Ingeborg Stadelmann erfahrt ihr in Kürze.

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