Hast du dich schon einmal gefragt, warum sich KleidungsstĂŒcke aus Baumwolle von verschiedenen Herstellern unterschiedlich anfĂŒhlen? Die Antwort liegt meist in der Herkunft der Baumwolle.

Die Herkunft von Baumwolle und ein Foto von reifer Wolle

Baumwolle (lat. Gossypium) zÀhlt du den pflanzlichen Fasern, die aus Zellulose, dem Grundstoff aller Pflanzen, bestehen. Diese Kulturpflanze ist schon seit mehreren tausend Jahren bekannt und wurde einst von mindestens vier Völkern unabhÀngig voneinander angebaut.

Was wissen wir ĂŒber die Herkunft von Baumwolle?

Auskunft ĂŒber die Herkunft von Baumwolle geben unzĂ€hlige FundstĂŒcke aus verschiedenen LĂ€ndern und Kulturen. So haben sich naturfarbene, aber auch bunte Baumwollstoff-Reste bis heute erhalten. In Peru fanden ArchĂ€ologen blaue und lila-farbene Kleiderreste aus der Inka-Kultur. Schnell stellte man fest, dass diese Stoffe nicht gefĂ€rbt waren, was in der Baumwollforschung fĂŒr Enthusiasmus sorgte.

Vor eigenen Jahren reisten wir nach Chiclayo (Nordperu), wo wir uns mit einer Expertin aus der Baumwollforschung trafen. Sie brachte uns zu einem Anbaugebiet, auf dem versucht wird, bunte Baumwolle zu neuem Leben zu erwecken. Und wir durften blaue Stofffunde sogar in HĂ€nden halten. Faszination Natur! Es gibt so vieles, das ĂŒber die Jahre in Vergessenheit geraten ist.

Was wir ĂŒber die Herkunft von Baumwolle wissen, haben wir in eine anschauliche Infografik gepackt.

Infografik: Die Herkunft von Baumwolle

Infografik zur Herkunft von Baumwolle

4 Baumwollarten

Gossypium hirsutum

Ursprung: Zentralamerika/Mexico (YucatĂĄn)
heute 90% der gesamten Baumwollproduktion
Faser- bzw. StapellĂ€nge: 25 – 30mm
Verwendung: Bekleidung fĂŒr Erwachsene und Kinder

Gossypium barbadense

Ursprung: SĂŒdamerika/Nordperu
heute 5 – 8% der Weltproduktion
Faser- bzw. StapellĂ€nge: ĂŒber 32mm
Verwendung: Bekleidung fĂŒr Babys, Kleinkinder und Erwachsene

Gossypium herbaceum

Ursprung: SĂŒdafrika/Subsahara
heute 1-2% der Weltproduktion
Faser- bzw. StapellÀnge: unter 25mm (kurze, grobe Faser)
Verwendung: vor allem fĂŒr BettwĂ€sche und Bekleidung fĂŒr Erwachsene

Gossypium arboreum

Ursprung: Asien/Pakistan und Indien
heute 1-2% der Baumwollproduktion
Faser- bzw. StapellÀnge: unter 25mm (kurze, grobe Faser)
Verwendung: Bekleidung

QualitÀtsmerkmal: FaserlÀnge

Das wichtigste Unterscheidungs- und QualitÀtsmerkmal ist die LÀnge der jeweiligen Baumwollfaser.

Die Rohbaumwolle wird nach den jeweils lÀngsten Fasern in folgende Klassen eingeteilt:

  • Kurzstapel: Baumwollfaser mit einer LĂ€nge bis 26mm, z.B. Gossypium herbaceum, Gossypium arboreum
  • Mittelstapel: Baumwollfaser mit einer LĂ€nge von 26 bis 29mm, z.B. Gossypium hirsutum
  • Langstapel: Baumwollfaser mit einer LĂ€nge von 30 bis 38mm, z.B. Gossypium barbadense
  • Extremlongstapel: Baumwollfaser mit einer LĂ€nge ab 39mm, z.B. Gossypium barbadense insb. Pima Baumwolle

Welche Baumwollart hat die höchste QualitÀt?

Die QualitÀt hÀngt also in erster Linie von der FaserlÀnge ab. Umso lÀnger die Baumwollfasern sind, desto hochwertiger ist die entsprechende Baumwollart.

Qualitativ am hochwertigsten sind die Fasern der Gossypium barbadense (peruanische Pima, Ă€gyptische Mako und Sea-Island Baumwolle). Obwohl Pima auch in Australien und den USA kultiviert wird, bieten die fruchtbaren FlusstĂ€ler im Norden Perus, neben dem Nildelta in Ägypten, die besten klimatischen Bedingungen und liefern daher die feinsten Baumwollfasern auf der ganzen Welt.

Es ist also nicht nur der Ursprung, sondern auch die aktuelle Herkunft der Baumwolle, die ĂŒber die QualitĂ€t der Stoffe entscheidet.

Die Eigenschaften von Pima Baumwolle:

  • Haptik: kuschelig weich und samtig glatt, aufgrund des hohen Feinheitsgrades und einer FaserlĂ€nge von mehr als 35mm
  • Thermik: besonders temperaturausgleichend und atmungsaktiv aufgrund der isolierenden Wirkung der Pimafaser, die die KörperwĂ€rme im Winter speichert und bei Hitze im Sommer regulierend wirkt
  • Anti-Allergen: besonders gut fĂŒr Babys mit Hauptproblemen, wie Neurodermitis, geeignet
  • TragegefĂŒhl: weich wie Seide, extrem leicht und luftig
  • Optik: natĂŒrlich seidig schimmernder Glanz, der normalerweise nur durch Merzerisieren erreicht wird
  • Langlebigkeit: wesentlich widerstandsfĂ€higer als andere Baumwollarten
Das Foto zeigt Babykleidung aus peruanischer Pima Baumwolle

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Wenn die Herkunft von Baumwolle in Peru liegt …

Peruanische Pima Baumwolle wird handgepflĂŒckt und handverlesen. Es sind keine Entlaubungsmittel notwendig und dadurch werden nur reife Faser geernt, d.h. es werden keine schlechten Faser oder Unreinheiten der Baumwollpflanze geernt. Hochwertige Rohbaumrohwolle kann nur durch PflĂŒcken per Hand erzielt werden, weil die kostbaren Naturfasern bei maschineller Ernte durch die BeschĂ€digung des Baumwollkerns verunreinigt und verfĂ€rbt werden kann.

Was ist der Unterschied zwischen konventioneller und Bio-Baumwolle?

25% aller Insektizide und 10% aller Pestizide auf der Welt werden fĂŒr den Anbau konventioneller Baumwolle benutzt. Die beim Anbau sowie im Verarbeitungsprozess  eingesetzten chemischen Substanzen verschmutzen Grundwasser, Boden und damit den natĂŒrlichen Lebensraum von Fauna und Flora.

Der Einsatz von chemischen und krebserregenden Stoffen fĂŒhrt hĂ€ufig zu Erkrankungen der Baumwollbauern und kann sich negativ auf die Gesundheit des Endverbrauchers auswirken. Hauterkrankungen und Kontaktallergien werden oftmals auf chemiebelastete Kleidung zurĂŒckgefĂŒhrt. Nicht zuletzt fĂŒhren Schadstoffe beim Anbau und der Weiterverarbeitung zu QualitĂ€tseinbußen, die in einer kĂŒrzeren Lebensdauer der Textilien resultieren.

Beim Anbau und bei der Verarbeitung der Baumwolle aus ökologischem Landbau wird auf chemische Umweltgifte (Insektizide, Pestizide und Entlaubungsmittel) verzichtet. Stattdessen werden natĂŒrliche DĂŒngemittel und Methoden der Unkraut- und SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung angewendet.

Auch in der Weiterverarbeitung wird bei hochwertigen Bio-Textilien auf unnötige Chemie verzichtet. Man setzt auf die natĂŒrlichen Eigenschaften der Baumwolle und verzichtet bewusst auf chemische AusrĂŒstungen, die der augenscheinlichen Verbesserung (Farbe, Glanz, Widerstandskraft, optisches Aufhellen etc.) des Endproduktes dienlich sein könnten.

Die pflanzlichen Fasern sind von Natur aus wunderbar atmungsaktiv und anti-allergen. Daher eignen sich Baumwollstoffe besonders gut fĂŒr hautsensible Menschen, Babys und kleine Kinder. Gerade bei den Kleinsten sind die körpereigenen Abwehrstoffe noch nicht vollends entwickelt, was bedeutet, dass Schadstoffe umso schneller ĂŒber die Haut in den Organismus gelangen.

Bio-Siegel wie GOTS (Global Organic Textile Standard) garantieren ĂŒbrigens neben der UmweltvertrĂ€glichkeit auch die sozialvertrĂ€glichen Arbeitsbedingungen innerhalb der gesamten Produktionskette.

 

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