Der erste Strandbesuch mit Baby steht bevor? Kinderärztin Dr. Johanna Havran verrät euch, was es bei Sonne, Spiel im Sand und Plantschen im Salzwasser zu beachten gibt.

Unser erster Strandbesuch zu viert

Vor wenigen Wochen durfte unser mittlerweile 9 Monate alter Lisandro zum ersten Mal mit nackten Füßen Sandstrand und Meer erkundschaften. Ein wenig wissen wir durch unsere Erfahrung mit Miguel (4 Jahre) bereits, worauf wird dabei besonders achten sollten.

Also packten wir einen gute, hautfreundliche Sonnencreme, langärmlige Pima Kleidung, Sonnenhut und Globulis für kleine Wehwehchen ein. Wir achteten auf ausreichend Schatten und entsprechende Ruhezeiten. Alles ist gut gegangen, trotz einer guten Portion Sand, die wohl in Lisandros Magen gelandet ist. Auch die zeitweise starke Sonne konnte uns nichts anhaben.

Am Strand musste ich plötzlich an unsere liebe Kinderärztin, Dr. Johanna Havran, denken, die ich zuvor gerne um ein paar Tipps gebeten hätte. Denn um ehrlich zu sein hätte ich nicht gewusst, was ich bei einem Sonnenstich oder einer akuten Sonnenallergie hätte tun müssen.

Damit ihr besser vorbereitet seit für euren ersten Strandbesuch mit Baby, habe ich Johanna im Nachhinein um Antworten auf meine wichtigsten Fragen gebeten. Dank dir, liebe Johanna, weiß ich nun, dass langärmlige Kleidung als alleiniger Sonneschutz nicht ausreicht. Auch weiß ich nun, was bei einem Sonnenstich zu tun ist.

Kinderärztin Dr. Johanna Havran im Interview zum Thema „Strandbesuch mit Baby“

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Johanna, was sollte man eigentlich beim Kauf einer guten Sonnencreme fürs Babys beachten?

Babies sollten in erster Linie dadurch vor der Sonne geschützt werden, dass sie dem Sonnenlicht nie direkt ausgesetzt sind. Der nächste wichtige Sonnenschutz ist Kleidung. Diese sollte am besten hell und luftig, aber nicht zu dünn sein. Der Lichtschutzfaktor von Kleidung ist abhängig von der Dicke der Kleidung. Ein T-Shirt hat z.B. etwa den LSF 20. Achtung: Wenn die Kleidung nass wird oder gedehnt wird, verliert sie einen Großteil des Schutzes. Eine Sonnencreme sollte – vor allem wichtig je jünger das Kind ist – einen physikalischen UV-Filter haben. Chemische Lichtschutzfilter können eine Menge unerwünschte Wirkungen haben. Sie können zum Beispiel allergische Reaktionen oder hormonelle Veränderungen im Körper hervorrufen. Physikalische Filter dagegen bleiben oberflächlich auf der Haut und reflektieren die Sonne. Der Nachteil ist, dass unsere Kinder dadurch eine weißliche Haut bekommen und auch die Umgebung oft nicht von weißen Flecken verschont bleibt. Trotzdem würde ich immer – auch bei größeren Kindern – so einen Filter verwenden.

Und welche Kleidung empfiehlst du für die ersten Strandbesuche?

Oben habe ich ja schon ein bisschen über Kleidung geschrieben. Sie sollte langärmelig und -beinig sein und ein Sonnenhut mit Nackenkrempe gehört auch dazu. Wichtig gerade bei Babies ist auch, dass sich die Hitze nicht staut (immer mal fühlen, ob dein Kind sich schwitzig anfühlt). Es gibt spezielle UV-Schutz-Kleidung, aber bei Babies, die ja sowieso nicht der direkten Sonne ausgesetzt sein sollen, kann man durchaus auch normale, dichte Kleidung verwenden. Welche Kleidung auch verwendet wird: immer daran denken, dass sie durch Nässe oder auch wenn die Kleidung älter/gedehnter wird, nicht mehr genügend Schutz haben könnte!

 Allergische Reaktionen der Haut oder auch ein Sonnenstich lassen sich nicht immer verhindern. Aus meiner eigenen Kindheit weiß ich, wie unangenehm eine Sonnenallergie sein kann. Was kann man tun, wenn die Haut auf die Sonnencreme oder direkt auf die UV-Strahlung mit Rötungen und/oder Ausschlägen reagiert?

Eine Rötung durch einen Sonnenbrand sollte – gerade bei Babies – nicht passieren. Bei Sonnenbrand ist Kühlung generell ein gutes Mittel, um das Fortschreiten der Schädigung zu begrenzen und einen Juckreiz zu mildern. Es gibt auch kühlende Gels und stark wasserhaltige Cremes, die hier helfen können. Ein Säugling mit Sonnenbrand sollte aber am besten einem Arzt vorgestellt werden. Keinesfalls empfehlenswert sind fettende Cremes, die die Hitze stauen könnten oder Puder.

Manchmal reagiert die Haut auch mit einem juckenden Hautausschlag auf Sonne, ohne dass ein Sonnenbrand vorliegt. Umgangssprachlich nennt man das eine Sonnenallergie. Bei Kindern findet man sie z.B. oft im Gesicht. Mit der Zeit, wenn sich die Haut an die Sonne gewöhnt hat, verschwindet der Ausschlag wieder. Es ist also hilfreich, wenn man schon vor dem Sommerurlaub seine Kinder oft draußen spielen lässt, um schon eine gewisse Gewöhnung zu erreichen. Auch hier gilt natürlich bei Babies wieder, dass sie dazu nicht in die pralle Sonne sollen…

Wenn sich keine Gewöhnung einstellt, sondern du beobachtest, dass der Ausschlag immer nur dann auftritt, wenn du die Sonnencreme aufgetragen hast, du also den Verdacht hast, dass dein Kind auf die Sonnencreme allergisch reagiert, hilft nur eines: Sonnencreme wechseln! Schau einmal nach: enthält deine Creme vielleicht einen chemischen Filter? Oder Duftstoffe? Im Zweifel hilft ein Allergietest weiter. In dem Moment, wo die Haut wegen einer „falschen“ Creme stark juckt, kannst du – wie auch beim Sonnenbrand beschrieben – mit Kühlung helfen (nachdem du die Sonnencreme abgewaschen hast). Außerdem gibt es Medikamente, die helfen können, wenn der Juckreiz zu stark ist. Dazu solltest du mit deinem Baby zum Arzt gehen.

Bei juckender, schmerzender und /oder geröteter Haut gibt es noch etwas zu beachten: es gibt auch Medikamente, Cremes oder auch Pflanzen wie den Bärenklau, die bei Sonnenlicht eine Hautreaktion hervorrufen können. Wenn dein Kind also Medikamente bekommt, informiere dich, ob es damit in die Sonne darf. Bei Cremes sind es zum Beispiel solche mit Pimecrolimus oder Tacrolimus (werden z.B. bei Neurodermitis verwendet), bei denen die Sonne gemieden werden soll.

Kleidung, die die Babyhaut vor UV-Strahlung schützt

Langärmelige Babykleidung aus Pima Baumwolle schützt zusätzlich vor der gefährlichen UV-Strahlung, ist herrlich atmungsaktiv und trocknet sehr schnell an der Sonne.

Woran erkennt man eigentlich einen Sonnenstich und was sollte man in diesem Falle tun?

Ein Sonnenstich kann je nach Schweregrad unterschiedlich aussehen. Dein Kind kann über Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit klagen und sich auffällig verhalten (verminderte Ansprechnbarkeit). Es hat einen hochroten Kopf, eventuell Nackensteifigkeit. Sofort in den Schatten mit erhöhtem Oberkörper, abkühlen und ärztliche Hilfe holen, besonders bei Fieber und Bewußtlosigkeit (dann kann es sich um einen Hitzschlag handeln, bei dem es lebensgefährlich werden kann). Vorbeugend kannst du auf eine Kopfbedeckung achten, deinem Kind immer wieder Getränke anbieten und natürlich das Sonnenbaden nicht übertreiben…

Ist es denn schlimm, wenn mein Baby Sand isst?

Sand an sich ist ungiftig und eigentlich unproblematisch, wenn man davon absieht, dass das Baby einen wunden Po bekommen kann, wenn der Sand unverdaut unten wieder heraus kommt… Leider ist es aber so, dass wir am Strand nicht wissen, was sich da so alles versteckt. Oft findet man Glassplitter, Zigarettenkippen, winzige Plastikteilchen und anderen Müll, der vielleicht schon kleingemahlen, aber trotzdem vorhanden ist…. Dann gibt es noch Fahrzeuge, die über den Strand fahren und Schadstoffe hinterlassen. Auch Hundehaufen, die sich zwar vielleicht schon mit ihrer Umgebung vermischt haben und daher nicht mehr sichtbar sind, können eine Gefahr bedeuten, wenn dein Baby zum Beispiel Wurmeier daraus zu sich nimmt.

Ich würde nicht direkt in Panik verfallen, wenn mein Baby mal Sand im Mund hat. Aber völlig sorglos Sand am Strand essen lassen ist keine gute Idee. Der Spruch „Dreck reinigt den Magen“ trifft jedenfalls nicht uneingeschränkt zu. Schließlich achten wir ja auch darauf, dass unser Baby ansonsten wenig Schadstoffen in Spielzeug, Nahrung und Kleidung ausgesetzt ist…

Darf die empfindliche Babyhaut bedenkenlos in Kontakt mit Salzwasser kommen?

Wenn dein Baby eine empfindliche Haut hat, vielleicht kleine Wunden oder sogar Neurodermitis, kannst du dir sicherlich vorstellen, dass das Salzwasser auf seiner Haut brennt. Denk immer daran, dass Babies Haut zarter und empfindlicher als unsere Erwachsenenhaut ist. Aber du wirst ja schnell merken, wenn dein Baby sich unwohl fühlt. Hinterher kannst du es dann mit Süßwasser abwaschen und eincremen.
Wenn dein Baby Wasser liebt, wirst du bald noch vor einem anderen Problem stehen: Es krabbelt schneller Richtung Wasser, als du gucken kannst, und bald rennst du nur hinterher… 😉

Danke, liebe Johanna, dass du dir so viel Zeit für meine Fragen genommen hast. Eine letzte Frage jedoch hätte ich noch an dich.

Gibt es denn etwas, das du jungen Familien abschließend für ihren ersten Strandbesuch mit auf den Weg geben möchtest?

Ich finde immer ganz wichtig, dass auch die Erholung der Eltern nicht zu kurz kommt. Natürlich will man etwas gemeinsam mit der Familie machen. Aber Urlaub soll auch Erholung sein. Gerade mit einem wasserliebenden Kleinkind ist man gut beschäftigt. Daher ist es oft entspannter für alle, wenn man sich als Eltern vorher überlegt, was einem wichtig ist, und das vorher bespricht. Dann kann man vielleicht abwechselnd eine Stunde nur für sich haben, lesen oder Sport machen und danach die gemeinsame Zeit mit Kind besonders genießen.

3 Kommentare

  • Olga sagt:

    Spannende Informationen! Habe mir den Link gespeichert. Dankeschön 😊

  • Eliane sagt:

    Ich habe bisher immer gelesen und gehört, dass Salzwasser gut für die Haut ist. Stimmt das denn nicht? Menschen mit Neurodermitis fahren ja teils extra zum Toten Meer, um sich da zu kurieren. Herzlichen Dank jedenfalls für den Beitrag mit den vielen hilfreichen Tipps! Liebe Grüsse, Eliane

    • Martina sagt:

      Liebe Eliane, ja, Salzwasser ist in der Tat gesund, aber gerade bei gereizter, wunder Haut, wie sie z.B. bei Neurodermitis auftritt, brennt Salzwasser. Allein aus diesem Grund ist Vorsicht geboten. Schließlich soll der erste Kontakt mit Meerwasser nicht in Tränen enden 😉

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