Pima Baumwolle aus Peru trägt viele Beinamen: vegane Seide, Seide Südamerikas, die Königin aller Baumwollarten. Was Pima und Seide gemein haben.

Seide ist ein wunderschönes Material, dem eine aufwendige Herstellungsprozedur vorausgeht. Schon seit Jahrtausenden wird sie als eine der edelsten und feinsten textilen Rohstoffe geschätzt.

Pima Baumwolle aus Peru hingegen ist bisher auf dem globalen Markt noch relativ unbekannt, und dies obwohl deren pflanzliche Faser eine herrliche vegane Alternative zu den kokonartigen Fäden der Seidenraupen darstellt. Denn die beiden Naturfasern sind sich in Thermik, Haptik und Tragekomfort so ähnlich, dass der Begriff „vegane Seide“ immer häufiger in Zusammenhang mit der kostbaren Baumwolle auftaucht.

In diesem Beitrag werde ich dir erzählen, wie die beiden hochwertigen Naturfasern gewonnen werden und sie so besonders macht.

Seide: Luxusfaser aus dem Orient

Seidenkokons

Die Sage erzählt, dass die chinesische Kaiserin Si Ling Schi vor nun mehr als 5000 Jahren eine Seidenraupe beim Einspinnen beobachtet hatte. Sie selbst soll es gewesen sein, die die dabei entstehenden Fäden abhaspelte und Garn daraus herstellte.

Das Wissen um diese neu entdeckte Kostbarkeit gelangte schnell bis in den Mittelmeerraum, wo vor allem die Römer bereitwillig 1 Pfund Gold gegen 1 Pfund chinesischen Seidenstoff eintauschten. Seit etwa 700 n. Chr. wird Seide auch im heutigen Europa gezüchtet, denn damals brachten Schmuggler Eier von Seidenraupen in unsere Breitengrade.

Die weltweite Seidenraupenzucht

Neben den Haupterzeugerländern von Seide (Indien, China, Japan, Brasilien und Thailand) kommt in Europa ein Großteil der Seide aus Frankreich.

Trotz der mittlerweile weiten Verbreitung von Seide und Seidenspinnereien beträgt der weltweite Anteil an der gesamten Faserproduktion lediglich 1% (vgl. seide.info).

Entstehung von Seide (Bsp. Maulbeerseide)

Seide ist eine tierische Faser, denn sie hat ihre Existenz Seidenraupen wie dem Maulbeerspinner sowie dem Tussahspinner zu verdanken. Der Maulbeerspinner ist nach dem Schlüpfen aus dem Ei etwa 2mm groß. Der Name selbst geht auf den Maulbeerbaum zurück, von dem sich diese Seidenraupe ernährt.

Rund 30 Tage benötigt der Maulbeerspinner um in seiner Größe mit der Länge unseres Mittelfingers mithalten zu können. Zu diesem Zeitpunkt beginnt die Verpuppung, die bei dieser Zuchtraupe in sog. „Spinnhütten“ vonstatten geht. Drei Tage lang spinnt die Raupe einen etwa 3000m langen Doppelfaden, der letztlich einem taubeneigroßen Kokon ähnelt. Nach 14 weiteren Tagen dann die Umwandlung von der Raupe zu einem Schmetterling, der aus dem Kokon schlüpft.

Als „Ernte“ von 50 000 Raupen können ca. 1000kg Seidenkokons gewonnen werden, was einem Ertrag an Rohseide von 120 kg entspricht.

Gewinnung von Zuchtseide

Da der Seidenraupenzüchter die unbeschädigten Kokons braucht, tötet er die Tiere in Heißdampf oder bei trockener Hitze ab. In heißem Wasser, das den sog. Seidenleim löst, werden die Fadenanfänge gesucht und die Fäden von den Kokons abgelöst.

Die Tatsache, dass bei der Seidengewinnung zahllose Raupen getötet werden, bevor sie sich durch die Metamorphose in Schmetterlinge umwandeln können, schreckt viele Konsumenten ab. Gerne wird in diesen Fällen zu Viskose gegriffen, einer Kunstfaser, die wir seit dem Jahr 1940 auf dem deutschen Markt finden. Viskose wird aus natürlicher Zellulose hergestellt und es lassen sich je nach Mischung mit weiteren Fasern seidenähnliche Stoffe erzeugen.

Vor- und Nachteile von Seide

Vorteile

  • angenehmer Tragekomfort: leicht und luftig auf der Haut
  • Thermik: Seide kühlt an warmen Tagen und wärmt bei kühlerem Klima (isolierende Wirkung)
  • Haptik: sehr fein und weich
  • anti-allergene Naturfaser (ähnlich der menschlichen Haut)
  • schön fürs Auge durch ihren natürlichen Seidenglanz

Nachteile

  • teurer Rohstoff, daher häufig als Mischgewebe zu finden
  • knitteranfällig (Aufbewahrung am besten hängend oder zusammengerollt)
  • Wäsche nur bei sehr niedrigen Temperaturen (bevorzugt Hand- oder Schonwäsche)
  • spezielle Waschmittel notwendig
  • sehr empfindlich im nassen Zustand
  • direkte Sonneneinstrahlung bleicht Seide aus
  • stärkere Verschmutzungen machen oft eine chemische Reinigung notwendig
  • reagiert empfindlich auf Deos und Schweiß

Pima Baumwolle aus Peru: eine vegane Alternative

Pima Baumwolle aus Peru

Pima Baumwolle aus Peru ist eine wunderbare vegane Alternative zur tierischen Seidenfaser, denn die Faser des Malvengewächses ist der Seide in vielen Eigenschaften so ähnlich, dass sie zurecht die Bezeichnung „vegane Seide“ oder „Seide Südamerikas“ verdient.

Bei der peruanischen Baumwolle handelt es sich um keine neue Faser und doch ist ihr Markteinteil so klein, dass die Bezeichnung Pima kaum jemandem ein Begriff ist. Pima Baumwolle ist selten, besonders hautverträglich und atmungsaktiver als andere Baumwollarten.

Ausführliche Informationen zu Perus hochwertigster Baumwolle kannst du in meinem Beitrag ➽ Pima Baumwolle („Seide Südamerikas“) nachlesen.

Das Wichtigste in aller Kürze erfährst du, wenn du noch ein paar Zeilen weiterliest.

Der Anbau von Pima Baumwolle

Pima wird in erster Linie in Peru, den USA und in Australien angebaut.

In den fruchtbaren Flusstälern Nordperus wächst und gedeiht die hochwertigste Pima Baumwolle, denn nirgends sind die Anbaubedingungen geeigneter. Die von den Anden gespeisten Flusstäler und das dort vorherrschende Klima bilden eine perfekte Kombination für die Kultivierung von Pima: fruchtbare Böden, ideale Regenperioden, viele Sonnenstunden und hohe Temperaturen.

Handernte und Handlese schonen die extra langen Fasern, denen Pima ihre seidenähnlichen Eigenschaften zu verdanken hat.  Der vermehrte Anbau von bio-zertifizierter Baumwolle bewahrt das natürliche Gleichgewicht der reichhaltigen Flusstäler.

Wie tierische Seide ist auch Pima (in unserem Fall Bio-Pima) sehr selten. Lediglich 1% der weltweit angebauten Biobaumwolle entspricht den Charakteristika peruanischer Extra-Long-Staple Baumwolle.

Vor- und Nachteile von Pima Baumwolle aus Peru

Vorteile

  • angenehmer Tragekomfort: leicht und luftig auf der Haut (vgl. tierische Seide)
  • Thermik: temperaturausgleichend; kühlt an warmen Tagen und wärmt bei kühlerem Klima
  • Haptik: sehr fein und weich dank der extra langen und glatten Fasern
  • anti-allergene Naturfaser (ähnlich der menschlichen Haut)
  • Optik: im Gegensatz zu anderen Baumwollarten charakterisiert sich Pima durch einen natürlich seidigen Glanz
  • maschinenwaschbar bei 30-40 Grad
  • pflegeleicht und knitterarm
  • sehr langlebig

Nachteile

  • teurer Rohstoff, daher sehr selten in Bio-Qualität und farbenfrohen Designs zu finden
  • sehr begrenztes Marktangebot

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