Ein Online Shop lebt durch seine Produkte. Nur womit selbstständig machen? Vielleicht hast du die Antwort am Ende dieses Beitrags bereits gefunden.

Selbstständig machen mit Online Shop (2)

In meinem letzten Blogbeitrag gab es eine kleine Einführung ins Thema „Selbstständig machen mit Online Shop„. Ich habe euch erzählt, wovon diese Blogreihe handelt und was die zugehörigen Beiträge – ich nenne sie fortan Kapitel – mit meiner Chill n Feel Gründer-Story zu tun haben.

Auf das Vorwort folgt nun Kapitel I: das Produkt. Denn ohne Produkt kein Online Shop, richtig?

Wichtiger Hinweis: Der nachfolgende Text erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die aufgeführten Informationen und Ratschläge beruhen auf eigenen Erfahrungen und ersetzen keine Fachberatung im klassischen Sinne.

Kein Online Shop ohne Produkt

Womit selbstständig machen_Online Shop_nichtnurmama

Wir sind ein gewinnorientiertes Sozialunternehmen. Unsere Produkte sind vegane Babykleidung, Bio Kuscheltiere und Stoffpuppen. All unsere Produkte sind Teil unseres Lebens. Sie werden von uns entwickelt, getestet, verkauft und genutzt. Unser USP (Alleinstellungsmerkmal) ist unsere seltene Bio Pima Baumwolle in Verbindung mit hautverträglichen und babygerechten Designs. All unsere Produkte sind babysicher und marktkonform, sie sind für uns und unsere Zielgruppe finanzierbar. Unser Vertriebskanal ist unser Online Shop (chillnfeel.com).

Ein eigenes Produkt ist etwas ganz Besonderes. Du wirst es lieben und hüten wie einen Schatz. Anfangs wirst du negative Kundenrezensionen und Retouren persönlich nehmen. Ladenhüter werden dir schlaflose Nächte bereiten und vielleicht wirst du bereits nach den ersten 12 Monaten ernsthaft überlegen, ob du nicht einen Schlussstrich unter dein Abenteuer Online-Shop setzen sollst.

Das wirst du womöglich auch tun, nämlich genau dann wenn du dir in der Gründerphase die Frage „Womit selbstständig machen im E-Commerce“ nicht mit einem klaren „Genau damit“ beantworten konntest. Zu der Überzeugung, dass dein Produkt wirklich markttauglich ist, kommst du über 4 Schlüsselfragen, auf die du entsprechende Antworten haben solltest.

1. Kennst du dein Produkt?

Immer und immer wieder die Frage „Womit selbstständig machen?“ Keine Sorge, du bist eine angehende Unternehmerin unter vielen, die sich darüber den Kopf zermartert. Stellst du dir diese Frage zu häufig, kann dies ein Indiz dafür sein, dass der richtige Zeitpunkt für den Schritt in die Selbstständigkeit noch nicht gekommen ist.

Denn die besten Produktideen poppen plötzlich auf, ganz überraschend und zwanglos. Es sind Produkte, die dir den Alltag erleichtern oder eben solche, die du bräuchtest, um dein Leben angenehmer zu gestalten. Ein richtig gutes Produkt deckt ein konkretes Bedürfnis oder löst ein Problem. Das kann ein Putzmittel sein, das Klebeetiketten wie von Zauberhand löst oder eine Melodie, die Babys ohne Umschweife ins Traumland geleitet.

1.1. Eigenprodukt

Hast du zur Lösung eines Problems deinen eigenen Prototypen (=Eigenprodukt) entwickelt, wirst du diesen „Problemlöser“ schnell auf Herz und Nieren prüfen. Du wirst nachbessern, wo es etwas nachzubessern gibt; solange, bis du genau das Produkt in Händen hältst, das du gesucht hattest.

Ablauf einer klassischen Produktentwicklung:

Problem/Bedürfnis – Idee – Produktentwicklung – Testphase – Optimierung – Produktion – Vermarktung

Bist du von Anfang an Teil der Produktentwicklung, dann kennst du dein Produkt. Das ist der Idealfall, denn schlussendlich hältst du deine eigene „Schöpfung“ in Händen. Du weißt, was du verkaufst und kannst auf Kunden- und Presseanfragen kompetente Antworten liefern. Dies schafft Vertrauen und gibt deinem Produkt Authentizität.

„Ein Produkt selbst zu entwickeln, erfordert viel Zeit und Geld. So nahm die Entwicklungs- und Testphase unserer aktuellen Chill n Feel Mitwachskollektion beinahe zwei Jahre ein. Slow Fashion vom Feinsten würde ich sagen ;). Nein, Scherz bei Seite.

In unserem Fall müssen die großen Distanzen zwischen Peru und Deutschland mit eingerechnet werden. Muster und Farben werden zunächst über Fotos und Skype-Meetings abgestimmt. Da wir ein kleines Unternehmen mit entsprechend geringen Produktionsmengen sind, haben größere Einkäufer prinzipiell Vorrang. Die fertigen Muster werden dann auf dem Postweg nach Deutschland geschickt, wo wir sie begutachten und testen. Es folgen Anpassungen und Optimierungen. Und so werden aus Wochen schnell Monate.

Die Entwicklung eines Kuscheltiers verläuft wesentlich schneller, da exakte Maße nicht berücksichtigt werden müssen und die fertigen Kuscheltiere keine aufwendige Testphase am Baby erforderlich machen. Zu Verzögerungen kann es natürlich auch hier kommen. So wirft uns augenblicklich die Corona-Krise unseren Zeitplan durcheinander.“ (Martina, Chill n Feel)

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Transparenz ist nur möglich, wenn du deine Produktionskette kennst: so entsteht Chill n Feel Mitwachskleidung

Da die Entwicklung eigener Produkte jedoch sehr zeit- und kostenintensiv ist, starten die meisten Gründer mit Fremdprodukten ins E-Commerce.

1.2. Fremdprodukt

Fremdprodukte sind Produkte, die du von Herstellern aus aller Welt erwirbst, unter einer fremden Marke verkaufst oder mit deinem Label etikettieren lässt. Einblicke in die Produktionskette bekommst du hier nur bis zu einem gewissen Teil. Denn du warst nicht Teil der Produktentwicklung.

Zwar sparst du dir die Entwicklung, jedoch kommen häufig Kosten anderer Art auf dich zu. Um beispielsweise sicherzugehen, dass dein Produkt die CE-Kennzeichnung zurecht trägt, sind aufwendige, sehr teure Laborprüfungen notwendig. Auch gibt es strenge Auflagen hinsichtlich der Inhaltsstoffe diverser Produkte. In der Textilindustrie sind beispielsweise Azofarben verboten. Nicht bei jedem importierten T-Shirt aus China kannst du dir sicher sein, dass dieses frei von gesundheitsschädlichen Azofarben ist. Auch hier gibt es teure Testverfahren.

Bevor du die Frage nach dem WOMIT selbstständig machen mit einem Fremdprodukt beantwortest, solltest du dich intensiv mit der Produktionskette auseinandersetzen. Lass dir technische Datenblätter vorlegen und ziehe gegebenenfalls Labortests in  Betracht.

Denn auch bei Fremdprodukten gilt: Kennst du dein Produkt, schaffst du eine erste gute Vertrauensbasis zu deinen potentiellen Kunden. Denn nur wer sein Produkt kennt, kann kompetente Auskunft über dessen Beschaffenheit geben.

„Unsere ersten Kuscheltiere waren Fremdprodukte. Wir hatten auf der Ethical Fashion Show 2012 in Paris die Non Profit Organisation (NGO) Manuela Ramos kennengelernt und uns sofort in die Kuscheltiere verliebt, die den zugehörigen Messestand zierten. Damals hatten wir noch keinerlei Erfahrung mit der Herstellung von Kuscheltieren. Auch war uns die Spielzeugverordnung nicht vertraut, die detailliert erklärt, was ein babysicheres Spielzeug ausmacht.

Mit einem Fremdprodukt zu starten, kam uns also entgegen. Über internationale Fonds konnte die NGO die Kuscheltiere ins Labor schicken, wo sie auf die strengen EU-Richtlinien geprüft wurden. Wir konnten die Stricktiere also entspannt über unseren Online Shop verkaufen und uns parallel mit dem Universum Kuscheltiere vertraut machen.

Bald schon verstanden wir die Richtlinien und wussten, wann ein Kuscheltier die CE-Kennzeichnung tragen darf. Und so entwickelten wir nach und nach unsere Eigenprodukte im Spielzeug-Bereich. Unsere niedlichen Bio Kuscheltiere kannst du hier begutachten. Aber Vorsicht, es sind ein paar Herzenseroberer dabei ;). “ (Martina, Chill n Feel)

2. Was unterscheidet dein Produkt von anderen (USP)?

„Jedes Gescheite ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Womit selbstständig machen?“, wir hatten es schon. Diese Frage stellen sich täglich Abermillionen Menschen. Und du darfst dir sicher sein, dass auch deine geniale Produktidee schon mehrmals gedacht und womöglich sogar entwickelt wurde. Mach dich also von dem Gedanken frei, du würdest etwas bahnbrechend Neues auf den Markt bringen. Denn das wird dir zu 99,9% nicht gelingen.

Was aber ist dann eine Unique selling proposition (USP)? Dein USP ist dein Alleinstellungsmerkmal, das dein Produkt ganz besonders interessant für deine Zielgruppe macht?

Es ist die ganz persönliche Note, die du deinem Produkt verleihst. Es ist die Art, wie du es in deinem Online Shop präsentierst, wie du seinen Nutzen kommunizierst und wie du dich selbst dazu positionierst.  Bei dem Etikettenlöser kann das die Verpackung sein, die kompostierbar ist. Denn damit unterscheidest du dich von deinen Mitbewerbern, indem du das Bedürfnis deiner Zielgruppe nach nachhaltigen Produkten stillst. Bei der Einschlafmelodie ist es das individualisierbare CD-Cover, das dein Produkt anders und damit einzigartig macht.

Womit selbstständig machen_Pima Baumwolle

„Unser USP war von Anfang an unsere Pima Baumwolle. Wir hatten diese herrliche Baumwollart, die so wunderbar für die empfindliche Babyhaut ist, in Peru entdeckt und wussten sofort, dass dies das Material für unsere Babykleidung sein sollte. Wir recherchierten viel und kamen zu dem Schluss, dass wir damit ein absolutes Nischenprodukt auf den Markt bringen würden. Dies gab uns Sicherheit, denn wenig Wettbewerb erhöht die Verkaufschancen. So dachten wir im Jahr 2012.

Heute sehe ich das ein wenig anders. Wenig Wettbewerb kann vorteilhaft sein, zu wenig Wettbewerb erschwert jedoch erheblich das Marketing. Für ein kleines Familienunternehmen mit begrenzten Mitteln ist es ein gewagtes Spiel, in eine solche Nische zu treten. Und dies bekamen wir lange Zeit zu spüren. Keiner kannte peruanische Pima Baumwolle. Über den Online Shop hatte zudem niemand die Möglichkeit, unseren seidig weichen Stoff zu berühren. Wie also auf virtuellem Weg von der besonderen Qualität überzeugen?

Mittlerweile – beinahe 8 Jahre sind vergangen – hat sich der Begriff Pima ein wenig herumgesprochen. Eltern von Babys mit Neurodermitis schreiben uns regelmäßig, wie gut unsere Kleidung ihren Schützlingen tut. Es sind persönliche Weiterempfehlungen und ein enormer Marketingaufwand, der dafür sorgt, dass es Chill n Feel Babykleidung nach wie vor gibt.“ (Martina, Chill n Feel)

Ein USP schaffst du dir, indem du regelmäßig die Suchmaschine durchforstest, stets auf der Suche nach ähnlichen Produkten. Achte darauf, welche Varianten deines Produktes es gibt und wie deren Nutzen kommuniziert wird. Bestelle doch einfach einmal ein paar dieser Konkurrenz-Produkte. Schau, in welcher Verpackung sie bei dir eintreffen und mach dir ein Bild von der Qualität.

Tippe deine Suchbegriffe zusätzlich in anderen Sprachen in das Google-Suchfeld ein und schau, welche Ergebnisse du hierfür bekommst. Oftmals sind uns andere Länder bei Produktentwicklungen weit voraus und dienen als gute Orientierung bzw. Inspiration für die eigene Produktidee.

Im Anschluss an eine intensive Marktrecherche überlegst du dir, was alle deine Suchergebnisse gemeinsam haben und wie du die besten Produktdetails in deine Produktentwicklung einfließen lassen kannst.

Mein Tipp in einem Satz: Kopiere die Best Off Details deiner Mitbewerber und setze noch eins oben drauf!

Aber Achtung! Bevor du in die Umsetzung deiner Produktidee gehst, solltest du auf jeden Fall prüfen, ob Patente angemeldet sind, die dir das „Kopieren“ explizit untersagen.

3. Ist dein Produkt markttauglich?

An dieser Stelle möchte ich nochmals auf das Thema Produktsicherheit eingehen. Ich hatte es schon unter 1.2. Fremdprodukt angeschnitten.

Als Einzelunternehmer haftest du persönlich für Schäden, die du deinen Kunden durch die Nutzung deiner Produkte zufügst. Bei einer Kapitalgesellschaft ist deine Firma in der Haftung. Tritt ein Schadensfall ein, kann dies schnell zu einer Privat- bzw. Firmeninsolvenz führen. Doch soweit muss und darf es natürlich gar nicht erst kommen.

Sorge daher von Anfang an dafür, dass deine Produkte sicher und damit markttauglich sind.

Deine zuständige IHK ist hier ein guter erster Anlaufpunkt, aber auch bei den diversen TÜV-Prüfstellen kannst du einfach einmal anrufen, um dich zu deinem Produkt beraten zu lassen.

3.1. Produktsicherheit

Womit selbstständig machen_Produktsicherheit

„Um sicher zu gehen, dass unsere Babykleidung schadstofffrei ist, lassen wir uns regelmäßig Zertifikate vorlegen. Da braucht es einmal einen Nachweis über die Bio Qualität unsere Baumwolle. Hinzu kommen die Farbstoffe und Pigmente, die für bunte Babykleidung verwendet werden. Diese sollten zumindest den Vorgaben von Oeko Tex Standard 100 entsprechen. Denn dann kannst du sichergehen, dass keine gesundheitsschädlichen Substanzen, wie Azofarben enthalten sind. Kommen Aufdrucke hinzu, sind auch diese auf Schadstoffe zu prüfen.

Bei Spielzeug, wie unseren Kuscheltieren, sind die gesetzlichen Regelungen nochmal um einiges strenger. So muss jedes unserer Kuscheltiere diverse Tests bestehen. Es dürfen sich keine Knöpfe lösen und Bänder dürfen keine Strangulierungsgefahr  darstellen; um nur zwei Beispiele zu nennen. Als Spielzeug-Hersteller müssen wir in der sogenannten Konformitätserklärung bestätigen, dass das Produkt mit der EU-Spielzeug-Richtlinie 2009/48/EG konform geht. Der Zoll oder entsprechende Prüfstellen können jederzeit Einsicht in diese Erklärung sowie in technische Datenblätter fordern.“ (Martina, Chill n Feel)

Wichtiger Hinweis zur CE-Kennzeichnung! Technische Geräte und Spielwaren müssen mit dem CE-Kennzeichen versehen werden, um hierzulande in Umlauf gebracht werden zu dürfen. Das CE-Symbol kannst du theoretisch selbst ausdrucken und auf deinem Produkt anbringen. Mit der CE-Kennzeichnung tritt der Hersteller in Haftung. Im Zweifelsfall muss dieser technische Datenblätter sowie eine Konformitätserklärung vorlegen können, die die Produktsicherheit belegen.

Gerade beim Warenimport wird hier sehr viel Missbrauch betrieben, da viele Hersteller vorherige Laborprüfungen für überflüssig halten und Produkte in Umlauf bringen, die dem Endverbraucher Schaden zufügen können. Der Zoll prüft bei der Einfuhr lediglich, ob CE auf dem Etikett steht. Für alles Weitere ist der Importeur zuständig. Solltest du also in Erwägung ziehen, (CE-)Produkte in deinem Online Shop anzubieten, prüfe diese vorab ganz genau und lass Stichproben im Labor prüfen.

4. Ist dein Produkt finanzierbar?

Noch bevor du deine Marketingstrategie ausarbeitest, in der es auch um die Preisfindung gehen wird, solltest du herausfinden, welche Kosten dein Produkt tatsächlich verursacht. Hier eine kurze Auflistung der größten Kostenpunkte:

  • Entwicklungskosten und Labortests
  • Produktionskosten
  • Logistik: eine Spedition gibt dir hierzu Auskunft
  • Zollgebühren: informiere dich über die Höhe anfallender Zollgebühren
  • Einfuhrumsatzsteuer: wird fällig beim Warenimport, wenn du USt-pflichtig bist
  • Lagerkosten

Erst wenn du eine grobe Kostenschätzung für jedes deiner Produkte gemacht hast, wirst du ein Gefühl dafür bekommen, ob dein Produkt rentabel sein kann. Bedenke, dass auch beim Versand an den Kunden Kosten anfallen. Um das Thema Versandkosten wird es dann aber im Kapitel Marketing detaillierter gehen.

„Ich erinnere mich an unseren Businessplan, den wir parallel zu unserer Unternehmensgründung erstellt hatten. Da gab es detaillierte Kostenaufstellungen, die uns in unseren Produkten bestärkten. Wir wussten, dass unsere Produkte teuer sein würden. Nachhaltigkeit und Fairness hatten schließlich schon immer ihren Preis. Wir waren bereit, diesen Preis zu zahlen, denn wir verfolgten eine Vision: wir wollten dem deutschen Konsumenten unsere wundervolle Baumwolle zugänglich machen.

Nur eines hatten wir dabei nicht recht bedacht. Würde unsere Zielgruppe bereit sein, diese teuren Anschaffungskosten mitzutragen? Und da waren wir wieder in der Sackgasse Nischenprodukt angelangt. Keiner kannte unsere Marke, unser Online Shop rankte noch kaum bei Google und unsere Endverbraucherpreise lagen über dem Durchschnitt.

Also mussten wir über kurz oder lang unsere Preise senken, auf Kosten unserer Marge. Dies wiederum versperrte uns den Weg in den Fachhandel. Denn auch dieser will an unserer Kleidung verdienen. Hätten wir damals anders kalkuliert, wären wir heute nicht wo wir sind. wir hätten uns – wie so viele andere Hersteller – gegen peruanische Pima Baumwolle entschieden. Oder aber wir hätten versucht, uns als Luxusmarke auf dem Markt zu platzieren. Nur wären dies nicht mehr wir selbst gewesen.“ (Martina, Chill n Feel)

Fehler bei der Suche nach dem richtigen Produkt

Immer wieder hört und liest man in den Nachrichten, dass neue Online Shops heutzutage kaum noch eine Chance hätten. Dies halte ich für ein böses Gerücht. Viele junge Online Shops werfen frühzeitig das Handtuch, das ist richtig. Schuld daran ist jedoch nicht der Markt, der keinen Platz mehr für sie bereithält, sondern vielmehr sind es Fehlinvestitionen oder die Wahl von Produkten, die kein klares USP aufweisen bzw. deren USP nicht verständlich genug kommuniziert wird.

Ich habe in meinen 8 Jahren als Online Shop Besitzerin sehr viele hoch motivierte Unternehmen aufblühen und verwelken sehen. Manchmal war der Traum vom großen Glück einfach zu groß und die Ausdauer zu gering. Auf das Thema Ausdauer werde ich zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu sprechen kommen.

Hier nun drei Fehler, die du keinesfalls bei deiner Produktwahl machen solltest.

1. Hypes und schnelle Trends

Ein Trend kommt und geht. Heute Flamingo, morgen Lama, übermorgen Tigerlook. Wenn dir gerade an jeder Ecke und in jedem Schaufenster Lamas begegnen, dann solltest du mitnichten ein Produkt entwickeln, das mit Lamas in Verbindung steht.

Produktentwicklung und Warenimport brauchen viel Zeit. Auch eine Produktentwicklung in der eigenen Werkstatt braucht Zeit. Rechne mit mehreren Monaten. Bis du deine Lama-Unterwäsche oder deinen Lama-Teller in Händen hältst, sind Lamas out und Tiger in. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Lama Hype in absehbarer Zeit wiederholt ist äußerst gering.

Setze daher gerade in der Anfangsphase auf klassische Farben, Designs und Motive. Ist deine Marke erst einmal gut etabliert, dann spricht nichts dagegen, auf den einen oder anderen Trend aufzuspringen.

Womit selbstständig machen_Tipps für Gründer

„Als wir im Jahr 2012 über unsere erste Kollektion von Babykleidung nachdachten, wollten wir nur mit einem Trend gehen: es sollten nachhaltige Bodys und Strampler aus ökologischen Materialien werden. Und noch ein Gedanke begleitete die Produktentwicklung. Wir wollten farbenfrohe Bio Babykleidung auf den Markt bringen, denn davon gab es zu jenem Zeitpunkt noch sehr wenig.

Bio war damals groß im Kommen und die Slow Fashion Industry war auf dem Vormarsch. Es gab bereits sehr schöne Bio-Stoffe auf dem Markt, man entdeckte eine immer größere Auswahl an ökologischer Mode, nur Farben, die fehlten. Bei den Farben selbst setzten wir allerdings nicht auf kurzfristige Trends. 4-5 Kollektionen bringt H&M im Jahr in die Regale und jede Kollektion trumpft mit neuen Farben auf.

Bei uns sollte es 1 Kollektion pro Jahr geben, in Farben, die viele Sommer und Winter überdauern. Mittlerweile kennen die Menschen Chill n Feel und wir werden mutiger, was Trends angeht. Wir haben ein Einhorn, wir produzieren Faultiere und auch eine Meerjungfrau findet der Liebhaber nachhaltiger Produkte bei uns.

Ja, wir tasteten uns langsam an vorübergehende Trends heran und dies war im Nachhinein betrachtet eine gute Entscheidung. Denn es dauerte sehr lange, bis wir im Dschungel des World Wide Web gefunden wurden. Hätten wir gleich zu Beginn auf Hypes und Trends gesetzt, hätte man unsere Produkte dazu womöglich erst entdeckt, lange nachdem der Hype durch einen neuen abgelöst worden war.“ (Martina, Chill n Feel)

2. Kurze Haltbarkeit

Bis dein Online Shop über Google gut gefunden wird, vergeht durchschnittlich 1 Jahr. Wenn du dein SEO vernachlässigst, deine Social Media Kanäle nicht regelmäßig fütterst und Google Ads auch nicht so deine Sache ist, dann wirst du selbst nach 1 Jahr noch keine Sichtbarkeit auf den ersten Google Seiten haben.

Setzt du alle Karten auf deinen Online Shop, dann sei vorsichtig mit Frischeprodukten sowie Produkten mit kurzer Haltbarkeit. Im Idealfall arbeitest du mit einer Manufaktur, die nach Bedarf produziert. Somit läufst du nicht Gefahr, auf einem vollen Lager abgelaufener Produkte sitzenzubleiben.

3. Fremdprodukte mit zweifelhaftem Ursprung

Ich kann es nicht oft genug wiederholen. Versichere dich des Ursprungs deiner Produkte. Stellt sich bei der Zollbehörde heraus, dass du Produkte einführst, die nicht sicher für den deutschen Markt sind, oder tritt ein Schadensfall bei einem deiner Kunden ein, dann bedeutet dies das sofortige Aus für deinen liebevoll aufgebauten Online Shop.

Fazit „Womit selbstständig machen?“

Viel zu wenig richtig gute Produktideen treten auf den Markt. Rechtliche, zeitliche und finanzielle Hürden schrecken viele geborene Entrepreneurs ab. Zu Zeiten der Corona Krise häuft sich dieses verborgene Potential, denn die Angst vor einer dauerhaften Ladenschließung, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit kommen hinzu. Ich kann nur jeden dazu ermutigen, den Schritt in die Selbstständigkeit mit einem Online Shop zu wagen. Mit einem geringen finanziellen Aufwand lässt sich ein Online Shop aufbauen und je nach Produkt hält sich auch hier die Investition in Grenzen.

Womit selbstständig machen? Hast du bereits eine Antwort?

Dann fehlt dir nun nur noch die passende Zielgruppe, bevor du mit dem Aufbau deines eigenen Online Shops loslegen kannst. Um die Zielgruppe geht es in meinem nächsten Blogbeitrag. Wann dieser erscheint, erfährst du über meinen Newsletter.

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