Das Bio Siegel GOTS schenkt Vertrauen, denn nur wer seine gesamte Produktionskette auf Nachhaltigkeit prüfen lässt, darf das Siegel an seine Produkte anbringen. Doch was genau steckt hinter GOTS?

Babykleidung ohne Bio Siegel GOTS

Im Jahr 2006 führte die IWO, eine internationale Arbeitsgruppe bestehend aus anerkannten Organisationen wie der IVN (International Association Natural Textile Industry) und der OTA (Organic Trade Association), den Global Organic Textile Standard (GOTS) als neuen Standard für bio-zertifizierte Textilien ein.

Ziel war und ist es, einen Maßnahmenkatalog zu entwickeln, der auf eine durchgängig ökologisch und sozialverträgliche Produktionskette setzt und bei strikter Einhaltung die Produktsicherheit von Textilien gewährleistet. Erst nach erfolgter Prüfung der gesamten textilen Kette auf Konformität mit den definierten Vorgaben, dürfen Textilien das Bio Siegel GOTS tragen bzw. Hersteller damit werben.

Welche Hersteller dürfen mit GOTS werben?

Die Bio-Baumwolle, die du für die Fertigung deiner T-Shirts nutzt, ist bio-zertifiziert. Denn das Anbaugebiet wurde durch unabhängige Zertifizierungsstellen auf den Standard hin geprüft. Du erwähnst in der Produktbeschreibung, dass du mit GOTS-zertifizierter Baumwolle arbeitest. Achtung! Das darfst du nicht! Und doch tun es die meisten Hersteller, denn das Bio Siegel schafft Vertrauen.

Als kleines Label, das es sich nicht leisten kann, die gesamte textile Produktionskette prüfen zu lassen, musst du auf die Erwähnung von GOTS verzichten.

Denn das Bio Siegel GOTS dürfen nur Produkte tragen,

  • deren Fasern nachweislich auf kontrolliert biologischen Böden angebaut wurden UND
  • deren Fasern ohne den Einsatz chemischer Substanzen (z.B. Entlaubungsmittel) gewonnen wurden UND
  • deren Garne und Stoffe ausschließlich unter Verwendung von Textilhilfsmitteln (Farbstoffe, Pigmente etc.) weiterverarbeitet wurden, die auf den GOTS Positivlisten aufgeführt werden und daher weder Mensch noch Umwelt negativ belasten UND
  • bei denen in der Konfektion, bei der Verpackung, der Kennzeichnung und Vermarktung die GOTS Richtlinien eingehalten wurden und regelmäßig von unabhängigen Zertifizierungsstellen überprüft werden.

GOTS | Zwei Standards mit unterschiedlicher Kennzeichnung

GOTS berücksichtigt, im Gegensatz zu den meisten anderen Standards, die Umwelt und den Menschen gleichermaßen: beim Anbau, bei der Weiterverarbeitung und letztlich beim Konsum. Die umfassenden Richtlinien, die als Voraussetzung für eine GOTS-Zertifizierung eingehalten werden müssen, machen den internationalen Standard so glaub- und vertrauenswürdig.

Das grün/weiße Label baumelt unverkennbar an Textilien, deren Produktionskette lückenlos zertifiziert ist. Die landwirtschaftliche Fläche, die Spinnerei, die Weberei, die Färberei, die Schneiderei, der Exporteur und der Importeur wurden also auf die GOTS-Kriterien hin überprüft.

Und doch gilt es zu berücksichtigen, dass ein GOTS Label am Kleidungsstück zweierlei bedeuten kann: entweder mindestens 95% oder mindestens 70% des Produktes sind biologisch.

GOTS-Standard | Kennzeichnungsstufe 1: kbA/kbT (95-100% Naturfasern)

Trägt dein neu erworbenes Produkt ein Label, auf dem kbA/kbT bzw. organic (in Verbindung mit dem Bio Siegel GOTS) zu lesen ist, dann kannst du davon ausgehen, dass mindestens 95% bio-zertifizierte Naturfasern für die Produktion verwendet wurden. Lediglich 5% des Endprodukts dürfen konventionellen oder synthetischen Ursprungs sein.

GOTS-Standard | Kennzeichnungsstufe 2: „hergestellt aus X% kbA/kbT Fasern“

Steht bei dem Bio Siegel GOTS der Text „hergestellt aus X% kbA/kbT Fasern“ oder „made with organic“, so besagt dies nichts anderes, als dass Bestandteil X tatsächlich bio ist, wohingegen der Restanteil konventionellen oder synthetischen Ursprungs sein darf. Das Anbringen eines GOTS-Labels ist also erlaubt, sobald mindestens 70% der verwendeten Fasern rein ökologischen Ursprungs sind.

GOTS Baby-Body für 3 Euro oder kbA-Body für 30 Euro?

Bei Lidl und Aldi gibt es regelmäßig GOTS-zertifizierte Baby-Bodies für 2 oder 3 Euro im Angebot. Bei Chill n Feel findest du Baby Bodys ab 20,90 Euro. Und daran baumeln keine GOTS-Labels.

Warum ist das so und wer ist glaubwürdiger?

Nun, ich möchte mir an dieser Stelle keinesfalls anmaßen, Aldi oder Lidl in ein schlechtes Licht zu stellen. Zweifellos ist es rühmlich, dass Billig-Discounter bio-zertifizierten Textilien positiv gegenüber stehen. Wer schließlich könnte mehr zu einer allmählichen Umstellung großer Landstriche auf ökologischen Landbau beitragen, als Unternehmen, die Massenware produzieren?

Woher die große Preisspanne?

Wir hatten es schon: kleine Labels können es sich meist nicht leisten, die gesamte textile Kette zertifizieren zu lassen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die verwendeten Materialien weniger nachhaltig sind. Wenn schon keine Zertifizierungskosten anfallen, wie kann es dann zu so signifikanten Preisunterschieden kommen?

  1. Massenware ermöglicht günstige Produktionsbedingungen. Discounter können große Mengen ordern.
  2. Discounter nehmen Dumping Preise in Kauf.
  3. Discounter-Ware und hochwertige Naturfasern stehen auf Kriegsfuß (➽ so sehr kann sich Baumwolle unterscheiden).
  4. Das Produktionsland ist maßgebend für die Preissetzung.

Chill n Feel arbeitet mit kleinen Produktionsmengen, Dumping Preise können wir uns nicht leisten, unsere Baumwolle ist die beste (und teuerste) auf dem Markt (➽ Pima Baumwolle) und Peru ist kein Billiglohnland.

Bilder von Bio Babykleidung ohne Bio Siegel

Bio Babykleidung von Chill n Feel: Slow Fashion ohne Bio Siegel

Transparenz statt Bio Siegel

Nun fragst du dich vielleicht, wie du ohne Siegel darauf vertrauen kannst, dass du auch Bio in Händen halten, wenn du ein Kleidungsstück mit dem Versprechen Bio, kbA oder kbT gekauft hast.

Oftmals bietet dir in diesen Fällen die firmeneigene Website umfangreiche Informationen zum Materialursprung und zur Weiterverarbeitung. Ist dies nicht der Fall, so bin ich mir sicher, dass jedes Unternehmen, das seine Philosophie nicht nur zum Schein auf Nachhaltigkeit ausgerichtet hat, gerne deine Fragen zum tatsächlichen Ursprung der verwendeten Naturtextilien beantworten wird.

Und letztlich – glaub mir – ist ein Unternehmen, das seine Produktionskette offen legt und kompetent Auskunft erteilt manchmal vertrauenswürdiger als das höchste Bio-Label, meinst du nicht? Also trau dich und frag einfach nach.

Du hast Fragen an uns? Dann schreib mir doch einfach eine Email (martina.sturainer@mama-ocllo.com). Ich freu mich drauf!

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